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Autor Tema: Reisebericht Croatien 2003  (Posjeta: 26094 )
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Marica
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« : Lipanj 01, 2009, 11:04:46 »


Streckenbeschreibungen: Kroatien 07.07.2003

Viele der Fotostellen wurden nur aus dem Zug heraus entdeckt und noch nicht getestet. Es mag sein, dass die eine oder andere Perspektive dann doch schwerer umzusetzen ist, als es vom Zug aus den Anschein hat. Natürlich enthält die Liste nur eine kleine Auswahl von potentiellen Fotomöglichkeiten. ACHTUNG! In Kroatien sollen noch hunderttausende von Landminen liegen, mit deren vollständiger Beseitigung im "allgemeinen" Sinne (d.h. zu 99%) man frühestens 2010 rechnet. Die Minengefahr an den hier aufgeführten Strecken vermag der Blockwärter nicht einzuschätzen. Daher hier die dringende Mahnung, nur dort zu gehen, wo eindeutig vor einem schon jemand gelaufen ist oder sich vorher Bescheid von Einheimischen o.ä. zu holen.

Karlovac - Metlika

1.    Kanalbrücke südl Mahièno, evtl mit Kirche im Hintergrund.
2.    Nordesig und Schrankenposten nördlich Mahièno.
3.    Blick vom Hp Zorkovac auf langgestreckte Kurve, hinten Kupa-Bogenbrücke.
4.    Bf Ozalj morgens.
5.    Blick über Fluss mit Schloss und Kirche morgens.
6.    Esig, Fluss und Schloss auch vormittags umsetzbar; Straße allerdings parallel.
7.    Weiteres Tal zwischen Ozalj und Kamanje mit diversen Möglichkeiten.
8.    Am Hp Zaluka Industrieanlage a la Erzgebirgstal.
9.    Schrankenposten westlich Kamanje mit Blick auf das Tal am frühen Nachmittag.
10.   Rund um Hp Brlog Grad Hügellandschaft a la Bayerischer Wald, Hp selbst auch hübsch.

Die Bahnhöfe Mahièno, Ozalj und Kamanje sind noch besetzt und mit Form-Esigs und -Evsigs ausgestattet. Hier gibt es nur Personenverkehr mit den silbernen Schienenbussen, die einteilig oder mit Beiwagen fahren.

Rijeka - Moravice

1.     Östliche Bahnhofseinfahrt Rijeka am Hauptstraßen-BÜ nachmittags.
2.     Morgens in Rijeka Blick von Klostertreppe auf den Stadtviadukt beim Hotel "Continental".
3.     Morgens im Ostteil des Bf Su¹ak Peèine mit Stadtkulisse.
4.     Kurve am nördlichen Stadtrand von Trsat (um die Mittagszeit).
5.     Großer Damm nördlich ©krljewo mit Bora-Mauer auf der Südostseite, abends vom Hang unweit eines
         Bahnwärter-Häuschens umsetzbar.
6.     Nördlich Meja vormittags vom Hang mit weitem Blick (noch nördlich BÜ der Straße
         von Praputnjak), ebenso Blick von Süden auf besagten BÜ mit Häuschen
        (Standpunkt an der Bahn).
7.     Vom Bf Meja aus kann der Streckenverlauf in hoher Hanglage wahrscheinlich in
        beide Richtungen eingesehen werden.
8.     Oberhalb Plase tagsüber Blick von erhöht auf Dämme mit Bora-Mauer auf der
         nördlichen Seite.
9.     Kleiner Viadukt in Fu¾ine östlich des Bahnhofes, abends vom Dorf aus.
10.   Am nördlichen Ortsrand von Skrad Blick vom Hang auf die Weiten des einsamen Gorski Kotar.
11.   Rund um Brod Moravice vielfältige Möglichkeiten mit Ortskulisse, Felsen, dem einsamen Bahnhof und sehr freiem Streckenverlauf. Hier gelangen die Gleichstrom-Elloks der Reihe 1061 (Ansaldo-Doppler in hübscher blauer Lackierung) und "Polen-S-Bahnen"(z.T. Graffity!) zum Einsatz.

Split - Perkoviæ
 
1.     Kleine Kanalbrücke mit vielen liegenden Booten am Ufer südöstlich des Bf Solin.
2.     Motive in Hülle und Fülle unterhalb Ka¹tel Stari sowie oberhalb und bis
         zum Hp Sadine in den Obst- und Weinhängen mit schönen Ausblicken. Blick von
         oben mit Bucht im Hintergrund geht aufgrund der Streckenlage am besten in
         möglichst extremer Tagesrandlage.
3.     Östliches Formesig von Ka¹tel Stari mit extremem Neigungswechsel nachmittags
         vom BÜ an der Bahnhofsausfahrt aus.
4.     ***Kahle Gebirgslandschaft mit Schluchten, Tunneln und hohen Dämmen
         zwischen Sadine und Labin Dalmatinski. Form-Vorsignal von Labin noch in
         einer Schlucht (Erreichbarkeit fraglich).
5.     Ausblicke rund um den Scheitelpunkt nördl Hp Prgomet.
6.     Rundkehren von Preslo und (besser) Bakovièi, letztere mit Kirche
         auf Hügel umsetzbar (von niedrigerem Standpunkt oder mit Tele vom nächsten Berg***).
7.     Nachmittags Ostesig Primorski Dolac mit Kapellenberg im Hintergrund (ggf Tele).

Hier gelangen ausschließlich GM-Loks der Baureihen 2062 und (selten vor Gz) 2061 zum Einsatz. Güterzüge werden gelegentlich in Doppeltraktion gefahren. Gepflegte Form-Esigs und -Evsigs gibt es in Ka¹tel Suæurac, Ka¹tel Stari, Labin Dalmatinski und Primorski Dolac.
 
©ibenik - Perkoviæ
 
1.     Bedingt Schrankenposten nachmittags oder abends am Hp Mandalina zwischen æibenik und Ra¾ine.
2.     Nachmittags östlich Ra¾ine Blick auf S-Kurve mit Kapelle im Hintergrund (Tele!).
3.     Morgens von Straße mit See Morinje im Hintergrund.
4.     Blick auf das EG des ex-Bf Primorski Sveti Juraj.
5.     Flussbrücke Vrpolje morgens von Straße, tagsüber von anderer Seite*** mit Gebirgskulisse.
6.     Bei den BÜs westl und unterhalb Betkovæi tagsüber schöner Blick auf Felsenkulisse.
7.     Tagsüber Blick auf Damm östlich des Hp Ripi¹te, niedrige Vegetation.

Der Personenverkehr wird mit ex-schwedischen VTs der Reihe 7122 bedient (Ausnahme: Die Nachtzug-Kurswagen mit 2062). Im Güterverkehr kommen 2062 und gelegentlich 2061 zum Einsatz (auch im Doppel).
*** bedeutet, dass hier für ein Foto das Wegenetz definitiv verlassen werden muss. Dran denken: Verminte Flächen sind nicht immer gekennzeichnet! Lieber vorher bei Einheimischen Erkundigungen einholen!

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« Odgovor #1 : Lipanj 01, 2009, 11:18:52 »



Kroatien April 2003

Sehr geehrter Herr Lukner, die Gegend, die Sie sich ausgesucht haben, ist bedenklich! Minenfelder und verdächtige Flächen sind zwar im Allgemeinen markiert - jedoch nicht immer. Die Botschaft rät, Wege nicht zu verlassen, es sei denn, es ist erkennbar, dass dort vorher andere Menschen gegangen sind. Wenn Sie uns fragen, müssen wir darauf hinweisen, dass in den Räumen ©ibenik, Ogulin und Karlovac ein relativ hohes Minenrisiko besteht. Die Gegend südlich von Une¹iæ soll minenfrei sein. Vorsicht aber im Gebiet südöstlich von ©ibenik!(...)

Das klang alles andere als beruhigend. Es handelt sich um die Antwort der deutschen Botschaft in Zagreb auf meine Anfrage bezüglich der Minengefahr in bestimmten Gegenden, wo wir auch mal in der Wildnis Streckenaufnahmen machen wollten und von denen wir wussten, dass hier im Balkankrieg die Frontlinie zwischen Serben und Kroaten nicht fern gewesen war. Da wir beide vorhatten, vollständig wieder nach hause zu kommen, hatte ich das Internet nach konkreteren Informationen über verminte Gebiete durchsucht. Doch außer sehr beruhigenden Beschreibungen verschiedener Minentypen (da gibt es welche, die auf Bewegung reagieren, vor einem 1/2m aus dem Boden hoch "springen" und dann um sich schießen...), fand ich nur eine völlig unscharfe Kartenskizze auf der Seite des kroatischen Minensuchdienstes:
 

Vermutlich stellen die roten Kleckse die Gefahrenpunkte dar...

Im Nachhinein betrachtet haben wir uns vielleicht etwas zu verrückt gemacht, doch erkundigt man sich schließlich lieber einmal mehr, als dass man sich einer Gefahr von doch sehr schwerwiegenden Verletzungen aussetzt. Die Vorfreude auf ein für uns völlig unbekanntes Land, in dem es noch einige richtig interessante Züge geben sollte, war dann aber doch größer, als die Angst vor Minen; und mit dem festen Vorsatz, nur dort zu gehen, wo man Spuren erkennen kann, gingen Lars Steigemann (mit dem ich schon viele eindrucksvolle Reisen mit "Öffentlichen" durch Teile Europas erlebt habe) und ich "ans Werk":

Samstag, 05. April 2003: Hamburg - Nachtzug ab Berlin

IC 2573 Hamburg Hbf 17.00 > Berlin Ostbf 19.41


Der Zug war angenehm leer. Mit Hilfe meines Langenscheidts versuchte ich, einige zuvor von der Internetseite der H® (Hrvatske ®eljeznice - Kroatische Eisenbahn) heruntergeladene Meldungen über aktuelle Schienenersatzverkehre wegen Bauarbeiten zu übersetzen. Immerhin bekam ich so viel mit, dass wir nicht ganz ungeschoren bleiben würden... In Mecklenburg fielen einige heftige Sandstürme auf, die der starke Wind mit dem trockenen Boden einiger Äcker veranstaltete.

Berlin empfing mich mit eisigem Ostwind, auf den ich angesichts einer Reise ins südliche Europa nicht wirklich eingerichtet war. An der Friedrichstraße traf ich mich mit Lars. Wir wollten in der "Nolle" noch einen Happen einwerfen, doch verkündete ein Schild "Geschlossene Gesellschaft". Da die umliegenden Kneipen sehr voll waren, begnügten wir uns mit dem Thailänder im Bahnhof. Darüber, wie lange meine Ente schon auf den Schubs ins Ölbad gewartet haben mochte, wollte ich mir lieber nicht den Kopf zerbrechen...

Zurück im abendlichen Ostbahnhof konnten wir die Einfahrt eines 624 aus Szczecin beobachten, während ein besoffener Fußballfan lauthals in der Halle Lieder gegen die Bayern und gegen die Berliner grölte, was irgendwelche Halbstarken nun ihrerseits zu Gemotze veranlasste.

NZ 1901 Berlin Ostbf 21.28 > München 06.43

Unsere Nachtzug-Betreuerin war sehr rührig. Sie klopfte wohl noch dreimal an unsere Abteiltür, um dies und das zu regeln. In Wannsee beobachteten wir erste Schneeflocken auf die Erde rieseln. Zwischen Berlin und Angersbach bei Ha-Neu ließen wir uns den mitgebrachten Wein schmecken, bevor wir dann die nötige Bettschwere hatten. Die Abteile mit Du/WC gefielen uns gut, die häufig ruppige Bremsweise weniger. Und auf der oberen Liege musste man vor der Klimaanlage Schutz unterm Kopfkissen suchen...

Sonntag, 06. April 2003: Nachtzug an München - Rijeka

Wir ließen uns schon um 5.45 Uhr wecken, damit wir das Frühstücksbuffet genießen konnten. Die gute skandinavische Sitte, dass man seinen Frühstückskupon auch im Speisewagen des nächsten Zuges oder im Bahnhofslokal des Zielbahnhofes einlösen kann, gibt es in Deutschland leider noch nicht, obwohl die Nachtzüge hier tendenziell ja eher recht früh ankommen. Kaffee und Brötchen taten gut, denn viel Schlaf hatten wir nicht.
EC 111 / IC 211 München 07.26 > Ljubljana 13.53


So hatten wir uns das Wetter im "Süden"
 nicht vorgestellt, wobei Mallnitz natürlich
etwas höher als unser Zielgebiet lag

Die Kurswagenverbindung bestand aus 2x B (ÖBB) und 1x A (S®). Schade nur, dass die zwei B-Wagen (A=1.Kl, B=2.Kl) wegen defekter Stromversorgung verschlossen blieben und sich alle Kurswagen-Reisenden im A-Wagen tummelten. Wir stiegen daher ganz vorn in den langen Stammzug (ÖBB-Wagen) und genossen einen zunächst "eigenen" 2.Kl-Großraum. Hinter München schneite es sehr heftig und die Landschaft wurde zunehmend weiß. Hätte ich doch dickere Sachen mitnehmen sollen? In Salzburg setzten wir uns wegen vermeintlichem Richtungswechsel um, doch fuhren wir geradeaus weiter...

Als ich gerade Lars paar Fotos zeigte, kam ein Mann (Typ "Alm-Öhi") durch, der dann auch unbedingt die Bilder sehen wollte. Hören konnte er zwar nichts, dafür bekamen wir fortan fachkundige Erläuterungen zur Strecke... Seine Ankündigung, dass hinterm Tauerntunnel sicher völlig anderes Wetter herrschen würde, wollten wir zwar gern glauben, erwies sich dann aber als nicht ganz richtig. Über den Bahnhof Mallnitz-Obervellach zogen dicke Schneeschwaden hinweg. Ganz falsch war die Aussage allerdings auch nicht, denn zwei lange Tunnel später in Richtung Drautal hin war die Schneedecke dann doch plötzlich wie weggeblasen und die Sonne kam heraus. Wunder des Wetters.
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« Odgovor #2 : Lipanj 01, 2009, 11:24:45 »



Ein einsamer Wagen: Der durchgehende Zugteil
München - Beograd in Villach.

In Villach mussten wir aus dem Stammzug raus, der nach Klagenfurt weiterfuhr. Nach dessen Abfahrt stand nur noch ein einsamer slowenischer A-Wagen am Bahnsteig. Die ÖBB-Diesellok, die uns nach Jesenice ziehen sollte, brachte allerdings einen B-Wagen (ÖBB) mit, in dem wir erstmal gut Platz bekamen. Auf der Fahrt hoch in die Karawanken standen zur Belustigung von Fahrgästen und Personal zahllose Fuzzys an der Strecke. Wie uns der Schaffner erklärte, sei die Diesellok außerplanmäßig - weshalb wusste er auch nicht.

Der Karawankentunnel war die nächste Wettergrenze. In Jesenice tobte nämlich wieder fetter Schneefall, der uns fast bis Ljubljana begleitete. Uns schwante böses... In Jesenice wurde unser Mega-Intercity auf Eurocity-Standard gebracht. Zusammen mit den S®-Loks der Baureihen 362 (Ansaldo-Doppel) und 342 (Ansaldo-Einteiler) wurde unseren zwei Wägelchen nämlich ein serbischer Speisewagen zugestellt! Mit zwei Loks und drei Wagen aus drei Nationen ging es nun unspektakulär abwärts, wobei die Besiedlung kontinuierlich zunahm. Einer der hier im Nahverkehr eingesetzten elektrischen Desiros kam uns entgegen.

In Ljubljana gab es natürlich einiges zu beobachten. Wenigstens schien hier die Sonne; allerdings "untermalt" von einem heftig eisig-beißenden Ostwind. Eine 362 stand schon mit unserem Schnellzug nach Rijeka bereit. Der Zug bestand immerhin aus zwei Wagen! Internationaler Verkehr... Eine "Polen-S-Bahn" (BR 311/315) verließ die Landeshauptstadt in Richtung Karawanken und zur Fahrt nach Koper stand ein aus zwei Desiros gebildeter Lokalzug bereit. Der vordere Teil war mit Ganzwerbung für Siemens beklebt. Inzwischen war dann auch ein Eurocity aus Wien angekommen, von dem ein Kurswagen an unseren Zweiwagenzug überging. Dass es sowas noch gibt... 


Noch haben Desiros nicht alles in der Hand:
Selbst am Sonntag macht sich eine "Polen-S-Bahn"
von Ljubljana auf den Weg nach Jesenice.

So nebenbei stellte ich fest, dass ich bei der DVB in Hannover beim Geldtausch zwar slowenische Tolar und auch eine Umrechnungstabelle dafür bekommen hatte, dass mir aber der Kurs für slowakische Kronen berechnet worden war. Somit hatte ich 26 Euro für paar Scheine im Wert von 4,50 Euro bezahlt. Grummel...

E 483 Ljubljana 14.55 > Rijeka 17.28

Im vorderen der drei S®-Abteilwagen bekamen wir gerade noch ein eigenes Abteil. Die Fahrt war nett: Über eine Rundkehre schlängelt sich die zweigleisige Strecke in die Karstberge hoch. In Pivka (Bahnhof mit Formsignalen, Lichtsignale standen schon) zweigten wir dann mitten im Bahnhof von der Hauptstrecke ab. In Richtung Südwesten hatte man weite Blicke über den Nationalpark ©kocjanske jame, der überall mit Plakaten wirbt, auf denen eine Brücke in einer Höhle über einen tiefen Abgrund zu sehen ist. Diese Ansicht erinnerte mich ungemein an die "Brücke von Moria" im Film "Herr der Ringe".

Hier verkehren nur zwei grenzüberschreitende Schnellzüge, außerdem gibt es Mo-Fr zwei Umsteigeverbindungen im Nahverkehr. Nach slowenischer Grenzkontrolle in Illirska Bistrica gab es dann im kroatischen ©apjane Kontrolle, Kreuzung mit Güterzug und Lokwechsel auf eine H®-Lok gleichen Typs (1061). Bei Matuji schlängelt sich die Strecke mit schönen Blicken auf die Adria (Kvarner Bucht) abwärts. Mitten im Bahnhof von Rijeka endet das Gefälle und wir waren am ersten Etappenziel angekommen. Während wir in Ljubljana vom Innern der hübschen Bahnhofshalle begeistert gewesen waren, machte der Bahnhof von Rijeka innen eher einen leeren und finsteren Eindruck.

Laut Stadtplan am Bahnhof gab es in der Nähe keine Hotels. Uns war von einem Kollegen das Hotel Continental am anderen Ende der Innenstadt empfohlen worden. Wir versuchten anhand des Stadtplanes und eines daneben hängenden Liniennetzplanes mühsam heraus zu finden, welchen Bus wir nehmen müssten. Das wäre gar nicht nötig gewesen, weil eigentlich alle Busse zu einem Busbahnhof in der Nähe des Hotels fuhren. Und sooo weitläufig war die Stadt auch wieder nicht.

Normalerweise würde ich ja nie in ein Hotel gehen, das Continental heißt - jedenfalls nicht, wenn ich selbst bezahlen müsste. Aber dank der Tatsache, dass es schon recht "verwohnt" war, musste nur ein Mittelklasse-Preis gezahlt werden (ca 50 Euro für das DZ mit Du/WC, Frühstück). Nach dem Check-in trieb uns der Hunger in die Stadt. Die ausgedehnte Fußgängerzone machte einen freundlichen Eindruck. Was wir allerdings nicht fanden, war ein "einheimisches" Restaurant. Ein Fischrestaurant hatte sonntags geschlossen - ansonsten entdeckten wir nur zahlreiche Pizzerien. In einer solchen landeten wir dann auch. Der Raum war urig, die Bedienung freundlich und die Riesen-Pizza, die vor unseren Augen in den Ofen geschoben wurde, war lecker.
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« Odgovor #3 : Lipanj 01, 2009, 11:34:45 »


Montag, 07. April 2003: Rijeka - Delnice - Nachtschiff ab Rijeka

Heutiger Fixpunkt war die Abfahrt des Küstenschiffs von der Jadrolinja nach Split um 18 Uhr. Für eine Schiffsreise hatten wir uns entschieden, weil es in Richtung Split momentan keine vernünftige Bahnverbindung gibt. Der Tageszug kommt erst um 22.28 in Split an, so dass man weite Teile der interessanten Strecke bei Nacht fahren müsste, und der Nachtzug hatte weder Schlaf- noch Liegewagen. Nach der langen Bahnreise freuten wir uns schon auf das Schiff. Bis zu dessen Abfahrt hatten wir "Freizeit", die wir angesichts des sonnigen Morgens für Bahnaufnahmen auf dem (angeblich) interessanten Steigungsstück oberhalb der Bucht nutzen wollten.

Eigentlich hatten wir vor Zugsabfahrt noch die Fähre für heute Abend buchen wollen, doch das Frühstück war nicht schlecht und so kamen wir auch ohne Fährbuchung erst drei Minuten vor der Abfahrt des Zuges am Bahnhof an. Wir waren diesmal zu Fuß gegangen. Erstaunlicherweise war die Stadt um 7.30 Uhr schon wieder sehr belebt.

Pu 4603 Rijeka 07.55 > Delnice 09.15+15

Auch dieser Streckenabschnitt ist noch mit dem slowenischen / italienischen Gleichstromsystem elektrifiziert. Erst weit im Gebirge, in Moravice, findet der Systemwechsel auf den "kroatischen" Wechselstrom statt. Die kroatische Gleichstromflotte ist übersichtlich: Einzige Lokbauart sind die Ansaldo-Doppelloks (BR 1061). Hinzu kommen noch einige wenige "Polen-S-Bahnen" (BR 6011), die wir aber im Bereich Rijeka nicht zu sehen bekamen. Unser "Putnièki vlak" (Personenzug) bestand aus einer 1061 und zwei B-Wagen.

Leider hatten wir kein eigenes Abteil bekommen. Dennoch bekamen wir genügend von den wirklich spektakulären Ausblicken auf die Kvarner Bucht mit. Durch verschiedene Seitentäler schraubte sich die Bahn immer höher durch die kahlen Hänge. An exponierten Stellen, insbesondere auf Dämmen, verliefen auf der Hangseite hohe Mauern. Wir vermuteten, dass sie zum Schutz gegen den Bora dienen. Der Bora ist ein extrem starker Fallwind, der mit eisiger Kälte und Geschwindigkeiten von über 100 km/h vom Gebirge zur Küste weht und der die "Hauptschuld" an der Kahlheit der Hänge trägt.


Fu¾ine: Mein erstes kroatisches Eisenbahnfoto,
brav vom Bahnsteig aufgenommen...  

Fu¾ine: Mein erstes kroatisches Eisenbahnfoto, brav vom Bahnsteig aufgenommen... Inzwischen hatte sich der Himmel ordentlich bewölkt. Daher entschieden wir uns erstmal gegen Streckenaufnahmen und fuhren zur Streckenerkundung bis Delnice weiter. Ab Delnice sollte Schienenersatzverkehr sein. In Fu¾ine warteten wir offensichtlich auf den entgegenkommenden Schnellzug. Doch erstmal tat sich lange Zeit gar nichts. Da immer wieder kurzzeitig die Sonne rauskam, schlich ich mich dann einfach mal nach vorn, um ein Foto vom Zug zu machen. Offiziell braucht man dazu in Kroatien eine Fotoerlaubnis von der H®. Doch die Eisenbahner waren alle im Bahnhofsgebäude versammelt, und so war die Gelegenheit günstig. Lokführer und Beimann beschwerten sich jedenfalls nicht. So entstand mein erstes kroatisches Eisenbahnfoto.

Netter war das Bild im Bahnhof Lokve, wo fünf Leute stramm standen, als der Zug kam: Der ©ef mit dem Befehlsstab unterm linken Arm, der Weichenwärter mit der roten Flagge, der Wagenmeister mit dem Hammer in der Hand und noch zwei andere Uniformierte. Einer von ihnen mag der freundliche Kollege aus dem Reisezentrum gewesen sein. Auch unser Zug wurde gut von Eisenbahnern frequentiert, die etwa 60% der Fahrgäste ausmachten.

Das Städtchen Delnice hatte etwas von Erzgebirge. Allerdings war es furchtbar kalt. Ein Thermometer zeigte -1°C an. Abgesehen von vielen Schneehaufen gab es nicht viel zu sehen. Zwei Polizisten, die wohl auch nicht recht wussten, was sie tun sollten, kontrollierten einfach mal unsere Personalien, wobei sie sich aber nicht für eine etwaige polizeiliche Anmeldung interessierten. Als sie auch noch den Namen meines Vaters wissen wollten, konnte ich mir den Hinweis "Why? He is dead" nicht ganz verkneifen. Bei Lars stellten sie die Frage dann nicht.

Während der Aufschreibung tauchte aus einem nahegelegenen Park ein dritter Polizist auf und machte seinen Kollegen durch eine Geste verständlich, dass er eine bessere Idee hätte, als bei dieser Schweinekälte irgendwelche Personalien zu kontrollieren: Kaffee trinken! Die Idee war so gut, dass wir sie sogleich nachahmten, wozu wir uns allerdings ein anderes Café aussuchten. Bis zur Abfahrt unseres Zuges war nämlich noch viel zu viel Zeit... Und das Unwort der Reise hieß ab sofort "persona kontrola" - so ähnlich klang das jedenfalls, was die Polizisten gesagt hatten.
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« Odgovor #4 : Lipanj 01, 2009, 11:43:24 »


Pu(-tnièki) 4602 Delnice 11.38+30 > Rijeka 12.52+37

Wir mussten lange auf den SEV-Bus aus Skrad warten. Der Zug füllte sich dann doch ganz ordentlich mit Schülern, wobei wir "locker" ein eigenes Abteil behielten. Unterwegs kreuzten wir mit dem Schnellzug im absolut in der Einsamkeit gelegenen Ausweichbahnhof Drivenik, der nichtmal Straßenanschluss hat, der aber betrieblich wichtig in der Mitte zwischen den benachbarten Bahnhöfen Fu¾ine und Plase lag. Bei letztgenanntem Bahnhof lag dann plötzlich wieder tief unter einem das Meer (und am Hang ein Stück unterhalb die Strecke, die wir fünf Minuten später auch fuhren).


Rijeka: Der Bahnübergang über die Geschäftsstraße.
Leider kam der Gegenzug ohne Sonne...

In Rijeka quert die Strecke unmittelbar hinter der Bahnhofsausfahrt die breite Geschäftsstraße auf einem Bahnübergang. Dort passten wir den Gegenzug zwecks Fotos ab. Dann liefen wir am Hafen entlang zum Office der Jadrolinja, wo wir ohne Probleme die gewünschte 2-Bett-außen-Kabine bekamen. Kosten für Fahrt, Kabine und Frühstück pro Person: 48 Euro. Die Schiffslinie Rijeka - Split - Dubrownik wird leider nichtmal täglich bedient. Jetzt in der Nebensaison gab es nur montags und freitags Abfahrten.

Den Rest des Nachmittags stromerten wir kreuz und quer durch die Stadt. Züge auf dem Stadtviadukt waren tagsüber eher schlecht umsetzbar, daher gab es den nachmittäglichen Schnellzug nochmal am BÜ der Hauptstraße. Statt des ankommenden Schnellzuges tauchte erstmal von hinten ein ausfahrender Putnicki vlak mit Sonne auf. Der verspätete Schnellzug kam hingegen im Wolkenschatten durch. Nach Proviantbesorgung im Supermarkt holten wir die großen Rucksäcke aus dem Hotel und "enterten" die "Liburnia".

FS Liburnia Rijeka 18.00 > Split 06.25-16

Von Deck hatte man einen tollen Ausblick sowohl auf die See und die dahinter im Gegenlicht aufsteigenden Bergriesen Istriens, als auch auf die Stadtkulisse mit ihren "Palästen" an der Hafenkante. Schade nur, dass ich gerade in der Kabine war, als eine Rangierlok auf dem Hafengleis vor der tollen Stadtkulisse wie auf dem Präsentierteller einen langen, von der Sonne angestrahlten Güterzug entlang zog. Da das Gleis mitten auf der Promenade verläuft, musste ein Mitarbeiter vorweg laufen, um Autos und Passanten zu vertreiben.

Links: Die Liburnia, die uns kommende Nacht beherbergen würde.
Rechts: Blick von Bord auf Hafenkräne vor dem istrischen Uèka-Gebirge.
Bilder können per Mausklick vergrößert werden.

Die dann folgende Ausfahrt aus Rijeka durch die Kvarner Bucht war gigantisch. Während nämlich die Sonne die gesamte Küstenlinie intensivst beleuchtete, tobten darüber im kahlen Gebirge regelrechte Schneeschauer, deren Schleier sich oberhalb Rijekas hell angestrahlt vor den finsteren, schwarz im Gebirge hängenden Wolken abhoben. Obwohl es zunehmend frischer wurde, blieben wir solange draußen bzw in einem windgeschützten Vorbau, bis die Dunkelheit kam. Dann gelang es mir endlich, Lars von dem schönen Anblick wegzureißen und in das Restaurant zu zerren...
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« Odgovor #5 : Lipanj 01, 2009, 12:00:37 »


Ein Naturschauspiel bei der Fahrt durch die Kvarner Bucht.
Bilder können per Mausklick vergrößert werden.
 
Dort war ein würdiger Abschluss des Tages geplant. Relativ preisgünstig gab es ein Menü, bei dem als Vorspeise Spaghetti gereicht wurden - Italien lässt mal wieder grüßen. Hauptspeise war ein Grillteller - das fanden wir schon jugoslawischer. Man hat ja schließlich so seine Vorstellungen, was hier gegessen wird. Die erwarteten Æevapèiæi waren allerdings nicht dabei... Als Nachtisch gab es Palatschinken mit Schokosoße. Als Wein gab es den Ka¹tela, dessen Ursprungsgebiet wir noch näher kennenlernen sollten. Der Kellner sprach übrigens fließend deutsch.

"Dummerweise" hatten wir ja noch Wein und einen Schafskäse-Börek als Proviant mitgenommen. So gab es in unserer Kabine auch noch etwas zu tun... Übrigens hatten wir keine Du/WC in der Kabine - die sanitären "Gemeinschaftsanlagen" machten einen etwas überholungsbedürftigen und nicht wirklich sauberen Eindruck. Aber bei dem Preis konnte man nicht meckern.

Dienstag, 08. April 2003: Nachtschiff an Split - ©ibenik - Split

Leider kam das Schiff schon sehr früh in Split an, so dass wir (wieder mal) zeitig aus den Federn mussten, um das im Preis inbegriffene Frühstück zu nutzen. Der Kaffee war extrem plörrig, aber das Rührei war lecker.

Durch Berichte anderer Reisender wussten wir, dass in Split "Schlepper" auf die Touristen warten, um günstige Unterkünfte zu vermitteln. Da wir anderswo mit dieser Köderei schlechte Erfahrungen gemacht hatten, lehnten wir jedoch höflich aber bestimmt ab, obwohl die "Schlepper" irgendwo ein gewisses Niveau oder einen gewissen Charme hatten. Erstmal liefen wir zum nahegelegenen Bahnhof, wo plötzlich ein wohlbekannter Sound ertönte: Wir waren in einer der letzten Hochburgen für GM-Loks in Europa angekommen!


Durch diese Gasse mussten wir gehen,
um zur Pension zu gelangen.

Erst suchten wir das nahegelegene Hotel "Park" auf, das im Reiseführer als "moderat" beschrieben war. Es war dann aber doch heftig feudal, und da wir den Fehler machten, gleich mit Rucksäcken hinein zu stürmen, war natürlich nichts mehr frei. Nun ja, sonst wäre es wohl am Preis gescheitert. Im selben Viertel oberhalb der Bahnhofs-Rückseite fanden wir allerdings in einer engen Gasse eine Pension, die zwar mega-einfach war, die uns aber ruhig erschien und einen sauberen Eindruck machte. Das Gespräch mit der Wirtin war nicht einfach, doch wir glaubten, etwas von 190 Kuna (26 Euro) für das Zimmer herausgehört zu haben.

Anschließend entschlossen wir uns nach einem kleinen Rundgang durch Splits Altstadt-Gassen zu einer Erkundungstour nach ©ibenik. Beim Lösen der Fahrkarten hatten wir den Eindruck, dass ©ibenik selten verlangt wird. Der Halbpreis betrug 16,40 Kn, für uns wegen IC-Benutzung 24 Kn.
 
IC 520 Split 08.55 > Perkoviæ 09.51

Der von einer GM-Lok (wovon auch sonst?) der Reihe 2062 geführte IC bestand aus vier Wagen. Hinten bekamen wir "dicke" ein eigenes Abteil. Bis hinter Solin beherrschen Industrie und Hafen den Charakter der Strecke, doch ab Ka¹tel Suæurac konnte die GM alles geben. Durch die Obst- und Weinhänge oberhalb der Bucht von Ka¹tela stieg die Strecke nun kontinuierlich in die Höhe. Rund um Ka¹tel Stari ergaben sich schon beeindruckende Ausblicke und hinter dem nächsten Haltepunkt Sadine waren mit einem Schlag die Obstgärten zuende und die Strecke führte in völlig karge und kahle Gebirgslandschaft hinein.

Durch Tunnel, über Dämme und oberhalb von tiefen, schluchtähnlichen Tälern gelangt die Strecke nach Labin Dalmatinski. Auch im weiteren Verlauf, wo es durch bescheidene und durch Steinmäuerchen begrenzte landwirtschaftliche Parzellen geht, wurde uns die Strecke nicht langweilig. In Perkoviæ verließen wir den Zug. Ein Triebwagen der Baureihe 7122 stand im Bahnhof. Es handelt sich um Fiat-VTs, die vorher in Schweden unter der Baureihenbezeichnung Y1 "gedient" haben.
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« Odgovor #6 : Lipanj 01, 2009, 12:13:02 »


Der ©ef wies uns allerdings darauf hin, dass statt des VTs ein Bus nach ©ibenik fahren würde. In der Bahnhofsausfahrt war gerade eine "Rotte" damit beschäftigt das Gleis aufzuarbeiten. Wir nutzten allerdings die verbleibende Zeit. Offenbar hatte auch hier niemand etwas gegen Fotos, so dass der Y1 mit Sonne und ein Güterzug (natürlich) ohne Sonne fotografiert werden konnten. Angeblich sollte die Gegend südlich Une¹iæ frei von Minen sein, doch waren wir den ehemaligen Kriegsgebieten nun sehr nahe gekommen. Unwillkürlich schauten wir beide genau hin, dass wir in der Fahrspur des kleinen Feldweges, der entlang des Bahnhofes führte, blieben.

SEV für Pu 5807 Perkoviæ 10.23 > ©ibenik 10.51+9

Zum Bus folgten wir der Meute, die erst vor dem Bahnhof gewartet hatte, die dann aber vom Fdl zu einem Wendeplatz unterhalb geschickt wurde. Die Busfahrt war nett. Es ging über mehrere Anhöhen, die Ausblicke bis zum Meer ermöglichten. Von ©ibenik war ich erst etwas ernüchtert, doch sollte man nicht vom Bahnhofsviertel auf die ganze Stadt schließen...


Der Obstmarkt von ©ibenik.

Am Obstmarkt, wo die Ware auf fest eingerichteten Beton-Marktständen feilgeboten und teilweise zu prächtig in der Sonne leuchtenden Pyramiden aufgetürmt worden war, mussten einige Fotos gemacht werden. Bei solchen Farben will der Velvia schließlich nicht in der Tasche bleiben. Nun, bald hatten wir die Aufmerksamkeit der gesamten Umgebung auf uns gezogen, wobei wir durch freundliche Gesten die Erlaubnis bekamen, auch weiterhin kräftig mit der Kamera auf die Handelstreibenden zu halten. Im nachhinein ist es schade, dass man den Händlern mangels Adresse nicht den einen oder anderen Abzug schicken kann.


In der Altstadt von ©ibenik.
Garantiert autofrei.

Weiter ging es kreuz und quer durch die gesamte Altstadt, deren enge und oft mit Stufen angelegten Gassen jeglichen Autoverkehr verhinderten. Was für eine Wohltat! Leider kamen wir nicht auf die Burg rauf (zwei Schweizer erzählten uns zwei Tage später, dass es schon gewisse Möglichkeiten gegeben hätte...), doch von einem Friedhof unterhalb hatte man auch einen beeindruckenden Blick über die Altstadt, die Bucht, die vorgelagerte Inselwelt und die Krka-Mündung.

Die letzte Nacht war kurz, und so traten mittags dann doch einige Ermüdungserscheinungen auf den Plan. Da waren wir froh, als wir in einer der Gassen unversehens über ein nettes Restaurant stolperten. Die gegrillten Kalamaris waren lecker. In dem Restaurant aßen viele Schüler, die offenbar mit Marken bezahlen durften und dafür ein bestimmtes Menü erhielten. Viele entschieden sich dann aber doch für Pizza gegen Aufpreis...

Nach Abrundung durch einen Cappucino schlugen wir den Rückweg ein, wobei wir einen Schlenker über den Busbahnhof drehten. Dort wollten wir uns nach Möglichkeiten zum Krka-Nationalpark erkundigen. Nachdem uns in der Stadt schon gelegentlich irgendwelche 80er-Jahre-Busse mit Original-Beschriftung und -Lackierung der HHA (Hamburger Hochbahn AG) aufgefallen waren, stellte der (ansonsten hässliche) Busbahnhof ein einziges Museum für deutsche Busse der 80er Jahre dar. Ob Stadtwerke Bamberg oder Busse aus dem Frankfurter Raum - alles war vertreten. Auf einem Schmierzettel wurden uns an der Information paar Zeiten aufgeschrieben, wobei sich auch hier die Mitarbeiterinnen sehr viel Mühe gaben, uns die benötigten Fingerzeige zu geben. Im Bahnhof gab es dann noch paar Sonnenfotos vom Y1 / 7122, der inzwischen hier wieder eingetrudelt war.
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« Odgovor #7 : Lipanj 01, 2009, 12:24:49 »


Pu 5810 ©ibenik 15.36 > Perkoviæ 16.07


©ibenik: Nicht vom Bahnhofsviertel auf die ganze Stadt schließen.
Ein 7122 steht neben den Nachtzug-Kurswagen.

Beim Betreten des Triebwagens schlug uns ein Geruch entgegen, der mich für einige Sekunden an die schwedische Inlandsbahn versetzte, auf der ich Anfang der Neunziger vielfach mit diesen Triebwagen gefahren war. Die Strecke taucht nach Verlassen des ©ibeniker Speckgürtels wieder in die kahle und felsige Gebirgslandschaft ein. Außer im Bahnhof Ra¾ine, wo wir vormittags auf dem Bahnhofsvorplatz kurz auf die Zustimmung des ©ef zur Weiterfahrt gewartet hatten (nein, er hob nicht den Befehlsstab...) und wo ein Zementwerk noch ansehnliche Güterzüge empfängt, hielten wir später an zahlreichen Haltepunkten in den einsamen Bergen, an denen durchaus Leute ausstiegen. Mit dem Bus hätten wir die Hps gar nicht erreichen können...


Die Dorfjugend von Perkoviæ.

In Perkoviæ war nun der große Nachmittagsknoten. Die 7122er ©ibenik - Knin und Gegenrichtung trafen hier auf den GM-geführten Nachmittagsbummel von Split, der nach Lokumlauf zurück nach Split fahren sollte. Trotz zahlreicher Wolken gelangen uns Gruppenbilder von allen drei Zügen in bester Ausleuchtung nebeneinander. Etwas erschwert wurden die Fotos allerdings dadurch, dass die gesamte Dorfjugend am Bahnhof versammelt war. Sie wieselten solange um uns herum und ins Bild, bis wir ein Foto von ihnen gemacht hatten. Ich habe wirklich noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe derartig schnell in Fotopose begibt. Allerdings waren die Herrschaften nach dem Bild "natürlich" nicht gewillt, von uns zu lassen. Zum Glück verstanden wir keinen der Sprüche, mit denen sie uns bedachten...

Pu 5505 Perkoviæ 16.38 > Split 17.40

Bei der H® gibt es keine Bedarfshalte. Es wird grundsätzlich an jedem noch so kleinen Hp gehalten. Wir waren allerdings erstaunt, dass auch an einsamsten Haltepunkten tatsächlich Leute auf den Zug warteten. In Primorski Dolac hatten wir Kreuzung mit einem Güterzug. Beim Halt konnten wir aus dem Fenster den Weichenwärter beobachten, der in der Ausfahrt die Weiche stellte. Ansonsten herrschte in dem Tal, durch das nur ein Fahrweg führt, absolute Stille.

Diese Stille wurde durch zwei militärisch-korrekte Handbewegungen des rotbemützten Bahnhofschefs jäh unterbrochen. Innerhalb von fünf Sekunden hatten beide Züge den Befehlsstab gesehen. Plötzlich war die Stille des Gebirges erfüllt vom Orgelkonzert zweier beschleunigender GM-Loks. Besonders die Lok unseres Gegenzuges hatte gut zu tun. Als wir nach einer kleinen Rundkehre aus höherer Lage nochmal den Blick Richtung Primorski Dolac hatten, kam uns aus dem Tal noch immer ein Schwall vom kräftigen Sound des beschleunigenden Zementzuges entgegen, während unser Tf mit seinem Zweiwagenzug schon längst wieder runtergeschaltet hatte. Doch bald herrschte wieder Ruhe über dem Tal von Primorski Dolac...


Lok der Baureihe 2062, gebaut von GM (General Motors), in Perkoviæ.
Vergrößerung per Mausklick.

Ob Nahverkehr oder IC, alle lokbespannten Züge wurden aus herrlich bequemen Abteilwagen gebildet, die zwar eine Art Klimaanlage besaßen, deren Fenster sich aber öffnen ließen. Die Sitze in den großzügigen Sechserabteilen sind mit Stoffpolstern bezogen, Sitzflächen und Kopfstützen sind verstellbar. Das ist noch echtes Reisen, zumal wir (auch später) nie wirklich volle Züge erlebt haben.
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« Odgovor #8 : Lipanj 01, 2009, 12:37:10 »


Nach der Ankunft in Split haben wir erstmal Siesta in unserer Pension gemacht. Erst jetzt, wo es zum Abend hin merklich frischer wurde, merkten wir, dass unser Zimmer gar keine Heizung besaß! Wir bekamen allerdings unbürokratisch einen kleinen Heizlüfter ins Zimmer gestellt. Als es dunkel war, machten wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Auch Split hat viele Gassen, die gar nicht mit Autos passierbar sind. Und wenn doch, dann waren sie als Fußgängerzone ausgewiesen. Das machte die Stadt ja schon wieder doppelt sympatisch.

Besonders eindrucksvoll ist ein Teil der Altstadt, der aus einem alten Römerpalast (Alterssitz des spätrömischen Kaisers Diokletian) hervorgegangen ist. Hier stehen noch alle möglichen Säulen, deren genaue Bezeichnungen ich sicher mal im Geschichtsunterricht gelernt habe, außerdem hat es ein ganzes Netz von Katakomben oder Gewölben, deren Abdeckung zum Teil entfernt worden war. So existieren hier zahllose Ebenen nebeneinander, deren Unübersichtlichkeit noch dadurch verstärkt wird, dass in diesem Gebiet im Laufe von zwei Jahrtausenden verschiedene Häuser "neu" hineingesetzt worden sind.

Obwohl die Altstadt abends stark bevölkert war, glich das Römerviertel einer Geisterstadt. Es war einfach grotesk: Man lief durch einige völlig unbeleuchtete Torbögen. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Nur ganz am Ende waren Licht, Bewegungen und Stimmen zu hören. Links und rechts zweigten finstere Gänge ab, doch wir hielten uns geradeaus. Plötzlich standen wir in einem gleißend hell erleuchteten Hof, der rings herum von verrammelten Häuserfassaden eingeschlossen war. In diesem Hof spielten paar Jungs Fußball. Und zwar ziemlich derbe, so dass wir schleunigst durch ein schräg gegenüber liegendes Loch weiter liefen.

Vorbei an Trümmern und einzelnen Bauwerken ging es nun wieder völlig finster, aber unter freiem Himmel um paar Ecken. In einiger Entfernung und auf einem anderen Höhenniveau spielte ein anderes Grüppchen Fußball. Einmal passten die Spieler nicht auf, und der Ball musste eine Ebene tiefer aus den Gewölben aufgelesen werden. Ansonsten herrschte absolute Stille. Wir näherten uns der Rückseite einer Kirche, die von außen mit einigen wenigen Scheinwerfern partiell angestrahlt war. Über uns funkelten die Sterne. Neben uns stand ein Haus, durch dessen verschlossene Läden warmes Licht drang.

Und nicht nur das! Plötzlich wurde die Stille durchschnitten von Klaviermusik, die aus dem Haus zu uns drang, als wären die Wände aus Pappe. Dabei hatte es sich nur um eine Einleitung gehandelt. Plötzlich legte ein Chor los, dass die Wände wackelten! Da standen wir beide völlig einsam in dieser Ruinenstadt, blickten auf eine Kirche vor und ein Trümmerfeld unterhalb von uns und kamen dazu in den akustischen Genuss eines mit zig Stimmen geschmetterten "Alleluja" auf kroatisch. Mir lief es kalt den Rücken runter...

Immerhin fanden wir mühelos aus dem Geisterviertel hinaus. In der Pension gab es noch ein Glas Wein; doch lange hielten wir uns nicht mehr auf den Beinen...

Mittwoch, 09. April 2003: Split - Ka¹tel Stari - Split

So langsam bekamen wir ja schon Lust auf Streckenaufnahmen. Und weil morgens am Himmel größere blaue Flächen zu sehen waren, beschlossen wir, heute mal einen Tag an der Strecke zu verbringen. Wir hatten ja gestern vom Zug aus schon im Bereich der Obst- und Weingärten von Ka¹tela, durch die die Bahn in Hanglage emporsteigt, einige Motive gesehen. Und in den Gärten brauchten wir uns vor Minen wohl nicht zu fürchten...

Unsere Vermieterin hatte einen leichten Schlaf. Wir hatten etwas Probleme mit dem Türschloss der Außentür, doch blitzschnell war sie zur Stelle um zu helfen. Allerdings befürchtete sie wohl auch, dass wir einfach verduften wollten - so richtig hatte das gestern mit der Verständigung ja nicht geklappt.

Pu 5502 Split 07.25 > Ka¹tel Stari 07.42

Natürlich zogen von der See her jetzt doch dicke Wolkenfelder auf. Andererseits war es schön, in der Natur zu sein. Obstbäume zeigten erste Blüten und die Luft war eine Spur milder geworden, als in den letzten Tagen. Wir entdeckten eine schöne Kurve vor der Kulisse von Ka¹tela, der Bucht und Splits Hausberg Marjan, in der wir den nach anderthalb Stunden folgenden Intercity prima mit Blühbäumen fotografieren konnten. Doch leider ging der IC ohne Sonne ab, obwohl sich die Wolken schon wieder ordentlich aufgelöst hatten.


Netter Blick, aber keine Sonne: Intercity oberhalb Ka¹tela.

Dafür ging der zurückkehrende Putnièk mit Sonne am östlichen Form-Einfahrsignal von Ka¹tel Stari ab. Nach dieser Aufnahme folgten wir der Bahn westwärts auf einem Weg, der so lange parallel zum Gleis verlief, wie selbiges noch durch die Plantagen führte. Wir kamen an einigen einzelnen Häusern vorbei. Vor einer Hundehütte mit dem Schriftzug "King" stand ein ausgewachsener Doberman und bellte uns an. Glücklicherweise hielt die Kette... Ein Stück weiter wurden wir vom Balkon eines Rohbaus von einem Hund angebellt, der offenbar Asthma hatte, jedenfalls röchelte er zwischendurch ziemlich.
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« Odgovor #9 : Lipanj 01, 2009, 12:45:51 »


Der aufwärts fahrende Güterzug kam, als wir das westliche Vorsignal erreicht hatten. Wir wurden allerdings rechtzeitig vorgewarnt. Schon zehn Minuten, bevor die einzeln fahrende und unter Volllast arbeitende 2062 und ihre Zementwagen mit ca 30 km/h an uns vorbeikrochen, waren die Hänge von Ka¹tela vom Orgelkonzert composed by General Motors erfüllt. Und noch länger dauerte es, bis wir den Zug ein letztes Mal in der Kurve oberhalb des Hp Sadine, der unser heutiges Ziel war, erspähten.

Auf einer Wiese legten wir uns nun einfach in die Sonne. Mit wenigen Schritten waren Motive für Züge beider Richtungen erreicht. Leider tat sich nun erstmal gar nichts. Die Personenzüge haben zwischen 10.00 und 15.00 Uhr Pause. Nach einem Güterzugfahrplan mit Stand vom letzten Jahr hatten wir innerhalb dieser Zeitspanne allerdings Chance auf zwei bis drei Güterzüge. Nun, der zweite Güterzug kam dann nach etwa einer Stunde und fuhr sogar abwärts, was vom Lichtstand besser gewesen wäre, wenn denn ein Lichtstand gewesen wäre. Die Sonne hatte sich allerdings schon für eine Weile wieder verabschiedet und es hatte sogar zu regnen angefangen.

Da es dadurch auch wieder etwas frischer wurde, beschlossen wir einfach weiterzugehen. Der Weg verlor sich nun in den letzten Olivenhainen. Auf dem Bahnkörper führte allerdings eine Spur parallel zum Gleis, die man nutzen konnte. Es kam ein kurzer Abschnitt, der durch die Wildnis führte, bevor die Bahn bald darauf die ersten Felder von Sadine erreichte. Das Dorf lag unterhalb und abseits der Bahn und bis zum Haltepunkt musste man noch ein ganzes Stück weiter aufwärts gehen - nun allerdings wieder auf einem parallelen Weg.

Vorher machten wir allerdings noch eine ganze Weile Siesta am Rande eines Einschnittes mit weitem Blick über die Bucht bis nach Split. Von hier oben zeigte sich der Rand der Bucht mit den Orten Ka¹telas (Ka¹tela ist die Sammelbezeichnung einer Reihe von einzelnen Orten entlang der Küste), Solin und Split wie ein einziges weißes Häusermeer. Die Sonne schien nun wieder vom blauen Himmel, doch an den Bergen rund um die Bucht und weiter südlich hingen fette Wolken. Etwa eine halbe Stunde vor dem aufwärts fahrenden Putnièk tauchte unversehens ein Güterzug von oben auf, den wir nicht zuletzt wegen des Lichtstandes nicht umsetzen konnten.


Blick über die Bucht von Ka¹tela: Unten die Ortskette von Ka¹tela,
links hinten Solin und am anderen Ufer der Bucht Split.

Der Bummel selbst ging gut mit paar einzelnen Häusern und dem Blick auf die wolkenverhangenen Berghänge. Nach den gestrigen Erfahrungen (Kreuzung in Primorski Dolac) rechneten wir nun wieder mit einem nachfolgenden Güterzug. Und tatsächlich. Der Bummel war gerade fünf Minuten verschwunden, da sah man tief unten zwischen Ka¹tel Suæurac und Ka¹tel Stari die Kette einiger Zementwagen auftauchen. Und bald drang auch schon der passende Sound an unsere Ohren. Dennoch vergingen wohl zehn Minuten, bis der Sound so laut über Sadine lag, dass wir meinten, jetzt müsse der Zug gleich im Sichtfeld des Motives auftauchen. Doch dann sah man ihn erst zwei Hänge weiter unterhalb...

Die Wolke war eigentlich erst da, als die 2062 dann wirklich langsam um die Kurve gekrochen kam. Es war eine ganz kleine Wolke. Der Zug kam im Zeitlupentempo näher. Langsam wurde es schon wieder heller. Die Lok kam nun dem Abdrückpunkt bedrohlich nahe. Jetzt war er erreicht! Ich hatte bis zum letzten Moment gewartet, so dass trotz Schneckentempos und vier Bildern pro Sekunde nur zwei "Schüsse" drin waren, bevor der nächste Busch kam. Ob die Lok nun wirklich schon wieder volles Licht hatte, konnten wir beide nicht sagen. Erst die Bilder zeigten es dann, dass das Licht noch nicht wieder die volle Intensität erreicht hatte...

Bis zur Rückkehr des Putnièk, mit dem wir dann mitfahren wollten, war noch etwas Zeit. Gestern hatten wir in Labin noch mit einem weiteren Güterzug gekreuzt; insofern bestand Hoffnung. Wir schauten mal ein Stück oberhalb des Haltepunktes. Hier endete nun wirklich jegliche Zivilisation. Vom Betreten des nächsten Einschnittrandes sahen wir dann aber doch lieber ab. Hier lagen verwehte Reste von Absperrbändern in der Gegend herum, auf denen wir etwas von "Achtung" lasen und auf denen auch kyrillische Schriftzeichen zu erkennen waren. Später entdeckten wir diese Bänder noch häufiger. Die vollständige Aufschrift lautete "Achtung Kabel!" in diversen Sprachen...

Gerade stand ich ein Stück unterhalb des Gleises am Bahndamm, da tauchte plötzlich von oben ein Zug auf, den ich nicht gehört hatte (Lars war ein Stück entfernt). Die eilige Umschau nach einem möglichen Fotostandpunkt wich schnell der panischen Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Der Zug hatte nämlich knallgelb lackierte Kesselwagen, aus denen sich der breite Schwall einer Flüssigkeit in die Botanik rechts und links des Gleises ergoss! Ein Unkraut-Spritzzug! Freundlicherweise hatte man mich aus der Steuerkanzel des ebenfalls in gelb lackierten Bedienungswagens entdeckt und den Schwall abgestellt. Ich bin also Schuld, wenn in der Außenkurve oberhalb Sadine künftig das Unkraut so hoch wächst, dass man dort nicht mehr fotografieren kann...


Die Altstadt von Split. Vergrößerung per Mausklick
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« Odgovor #10 : Lipanj 01, 2009, 12:53:12 »


langsam schlich der Zug weiter abwärts, so dass alle Hoffnung auf einen aufwärts fahrenden Güterzug vor unserem Bummelzug zunichte gemacht wurde. Wir überholten den von einer grünen 2062 gezogenen Spritzzug dann mit unserem Zug bereits in Ka¹tel Stari. Vorher war es allerdings noch faszinierend zu beobachten, wie aus den umliegenden Olivenhainen nach und nach vier Leute auftauchten, die an diesem einsamen Hp auf den Zug warteten.

Pu 5505 Sadine 17.12 > Split 17.40

Die Altstadt von Split lag in genialem Abendlicht vor den fetten Wolken, die sich an den Berghängen auftürmten. Da mussten natürlich noch paar Bilder gemacht werden, bevor wir in einer Taverne mit hübscher junger, aber lustlos schlurfender Kellnerin lecker zu essen bekamen. Hier gab es endlich mal dalmatinische Gerichte und nicht immer nur Pizza...

Donnerstag, 10. April 2003: Split - Krka Nationalpark - Split

In den Hängen bei Ka¹tela waren noch einige Fotomotive offen. Doch heute herrschte beim Aufwachen geschlossene Bewölkung. Lars, unser "Sightseeing-Obmann", dachte für heute an eine Tour in den Krka-Nationalpark. Die Idee gefiel mir auch.

Pu 5502 Split 07.25 > Perkoviæ 08.29
Pu 5805 Perkoviæ 08.33+5 > ©ibenik 09.01+5


Die Züge waren wie üblich gebildet: Erst eine 2062 mit drei Abteilwagen, wobei es uns der letzte besonders angetan hatte. Es handelte sich um einen deklassierten A-Wagen. Dann fuhren wir mit einem Y1, der sich auf ©ibenik zu ganz gut füllte. In ©ibenik waren wir etwas verwundert, weil der Stationschef nicht vorm Bahnhofsgebäude strammstand, als der VT einlief. Den gespannten Blicken anderer Bahn-Mitarbeiter folgend wurden wir gewahr, wie der ©ef 100m weiter eine Ratte mit Schottersteinen durch die Gleise jagte...


Für Hamburger gab es einen gewissen Wiedererkennungswert:
Ein Schnellbus der HHA in ©ibenik.

Leider war der Bus direkt bis zum Nationalpark gerade um 09.00 Uhr gefahren. Wir mussten nun bis 10.30 Uhr warten. Dann konnten wir wenigstens einen Bus nach Drni¹ nehmen, der in der Nähe des Nationalparks entlang fahren würde. Bis dahin konnten wir am Hafen in Ruhe einen Kaffee trinken. Trotz Bewölkung war es angenehm milde, so dass wir sogar draußen sitzen konnten.

Bus ©ibenik 10.30 > Tromilja ca 10.50

Unser Wiesbadener Stadtbus füllte sich recht ordentlich. Weil mehrere Busse um 10.30 Uhr abfahren sollten und einige deutsche Reisebusse im Weg rumstanden, gestaltete sich die Abfahrt nicht ganz einfach. In Tromilja (hier war auf der Karte nur eine namenlose Straßenverzweigung verzeichnet) empfing uns dann eine eigenartige Stimmung. Wir befanden uns auf einer Hochfläche, die nur von krüppeligem Gestrüpp bewachsen war. Über dieser Szenerie hing tief und dunkel die Wolkendecke, die verdächtig nach Regen aussah. Eine Wohltat war die frische, würzige Bergluft, die wir einatmen konnten.
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« Odgovor #11 : Lipanj 01, 2009, 13:14:03 »



Auf dem Weg von Tromilja zum Nationalpark.

Unter dem trüben Himmelsdach liefen wir nun eine schwach befahrene Straße durch diese eigentümliche Landschaft. Meistens wurde die Straße von kleinen Steinmäuerchen gesäumt. Nach links und rechts konnte man weit blicken, denn die Luft war klar. Nach etwa zwanzig Minuten Fußweg war der Ort Lozovac erreicht, wo der Großparkplatz nebst Eingang zum Nationalpark lag. Die wenigen Besucher des heutigen Tages durften allerdings bis zu den Wasserfällen hinunter fahren. Für uns kam jedoch der Pfad, der den Hinweisschildern nach genau 875m lang war, in Frage.

Langsam ging es in das tief eingeschnittene Tal hinab und immer wieder hatte man schöne Ausblicke auf die Seenkette im Zuge der Flüsse Krka und Èikola. Nach und nach vernahm man zudem ein ständiges Rauschen, das hinter jeder Wegbiegung lauter wurde. Unten angekommen erfuhren wir von einem Info-Mann, der uns sofort als Deutsche enttarnte, dass um 12.30 ein Schiff über die Seenkette aufwärts fahren würde. Bis dahin war noch eine Dreiviertelstunde Zeit, die wir zu einem Rundgang über die Bohlenwege durch die Wasserfalllandschaft nutzten. Auf einer Fläche von mindestens drei Fußballfeldern mäandriert die Krka und stürzt in vielen kleinen Wasserfällen eine Stufe abwärts.


Viele einzelne Katarakte: Die Krka-Fälle.

Als es Zeit für das Boot war, besorgten wir uns vom Info-Mann die Tickets, wobei dort schon zwei schweizer Studenten warteten. Das war auch unser Glück, denn für zwei Leute allein wäre das Boot nicht gefahren. Die beiden hatten aus demselben Grund mit dem Ticketkauf bis zu unserem Erscheinen gewartet.

In den folgenden dreieinhalb Stunden schipperte das Schiff mit uns für 100 Kn pro Person (14 Euro) über den Visovac jezero (=See) zum Kloster Visovac, weiter zu den Ro¹ki slap (die nächste Wasserfall-Stufe) und wieder zurück. Die Seen waren tief in die felsige Landschaft eingeschnitten und zum Teil kam man sich vor wie auf dem Geirangerfjord. Das Kloster Visovac liegt auf einer kleinen Insel im gleichnamigen See. Zur Besichtigung hatten wir eine halbe Stunde Zeit. Der Wind hatte zum Sturm aufgefrischt. Ein Pfau im Klostergarten wurde auch ohne Rad zu schlagen vom Sturm derartig erfasst, dass er mehr seitlich als vorwärts über die Insel torkelte.


Fjordähnliche Landschaft auf dem Visovac jezero.

Bei den Ro¹ki slap hatten wir eine Stunde Pause. Es gab eine alte Wassermühle zu besichtigen. Außerdem konnten wir einen Weg neben den Wasserfällen aufwärts gehen, der uns an einer "stufigen" Wasserfläche entlang zum Ausgang der Krka-Schlucht brachte. Dort lagen sogar Boote, so dass im Sommer vielleicht eine durchgehende Bootstour auf der Krka mit Umstieg an den jeweiligen Wasserfall-Stufen möglich war. Zur Stärkung gab es an der Wassermühle einheimischen Schafskäste und Schinken im Fladenbrot zum Touripreis. Die gelieferte Ware war allerdings den Preis wert. Der Schinken war in einem Gestell eingespannt und wurde regelrecht abgehobelt.

Auf der Rückfahrt peitschte der Sturm die Gischt regelrecht auf das Boot. Der Regen setzte zum Glück erst ein, als das Schiff wieder angelegt hatte und wir zusammen mit den Schweizern im Nationalpark-Café noch einen Kaffee tranken. Die Beiden waren auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und hatten ebenfalls den "Kurz-nach-5-Uhr"-Bus ab Lozovac angepeilt (17.00 Uhr war die Abfahrtszeit am Startpunkt der Linie in Skradin). Erzählenderweise stiegen wir den 785m langen Pfad wieder hoch. Lange brauchten wir nicht zu warten, da fuhr ein Bus der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein vor:
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« Odgovor #12 : Lipanj 01, 2009, 13:24:31 »


Bus Lozovac ca 17.10 > ©ibenik ca 17.30

Im Bus tönte laute Musik, das Publikum war eher etwas jünger. Die beiden Schweizer hatten in ©ibenik Quartier. Wir trennten uns mit dem eindringlichen Wunsch, dass das Wetter für die restliche Aufenthaltszeit in Kroatien besser werden würde [falls Ihr das hier lest: Hoffentlich hat dieser Wunsch wenigstens bei Euch noch etwas Wirkung gezeigt?!?]. Die nächste Zugverbindung nach Split hätte erst wieder um 20.21 Uhr bestanden. Daher nahmen wir den Bus für 36 Kn (5 Euro).

Bus ©ibenik 18.00 > Split ca 19.40

Der Bus kam schon ganz aus Zagreb und war ein älteres Fahrzeug östlicher Produktion. Fast verbrannte ich mir den Fuß an der Heizung und die Lüftung tat es überhaupt nicht. Die Luft war so schlecht, dass die Frontscheibe von innen beschlug und der Fahrer sie mehrmals mit Papierhandtüchern trocknen musste. Nach dieser Fahrt war unser ungeheiztes Pensionszimmer eine Wonne. Zum "Löschen" machten wir uns dann allerdings nochmal in eine nahegelegene rustikale Pizzeria auf, wo es ganz viel Pivo gab...

Freitag, 11. April 2003: Split - Ka¹tel Stari - Split

Da wir für heute ähnliches Wetter erwarteten wie gestern und es morgens nochmal heftigst geregnet hatte, war ziemlich sicher, dass wir das Schlechtwetterprogramm - eine Rundreise mit Zug nach Zadar und mit Bus zurück - durchführen würden. Doch als wir vor die Tür traten, war in Richtung Südwesten fast nur noch blauer Himmel zu sehen. So begann erstmal großes Gezauder, was man nun machen solle. Ich neigte eher zu einem zweiten Anlauf Streckenaufnahmen in Ka¹tel Stari, während Lars lieber mit einer Fähre auf eine der vorgelagerten Inseln wollte.

Der Bummelzug war ja schon längst weg, und der IC hielt natürlich nicht in Ka¹tel Stari. Also musste ich den Bus nehmen. Es war allerdings eine Tortur, die richtige Haltestelle zu finden. Immerhin konnte mir schon die zweite befragte Mitarbeiterin an den Schaltern des Busbahnhofes am Bahnhof sagen, dass ich Linie 37 nehmen müsse und dass diese Linie weiter oberhalb abführe. Von Haltestelle zu Haltestelle (die alle mit kleinen Schaltern besetzt waren) fragte ich mich nun durch. Irgendwann stand ich dann vor einem zweiten Busbahnhof. Hier war ich endlich richtig...

Bus 37 Split Sukoi¹anska 09.30 > Ka¹tel Stari 10.10

Die Busfahrt mit dem Schlenki, dessen Ziel das Weltkulturerbe Trogir war, durch die Hafensite von Predgrade war ziemlich freudlos. Immerhin fand ich in Ka¹tel Stari auf Anhieb die richtige Haltestelle und die richtige Straße hoch zum Bahnhof. Der Fußweg dauerte etwa 20 Minuten, während derer ich ständig erwartete, plötzlich das Orgeln einer GM über mir zu hören. Doch ich verpasste nichts. Dafür war ich hier oben endlich dem Troubel entronnen und konnte entspannt den Feldweg entlang der Bahn aufwärts gehen, vorbei an King und dem Asthmatiker, der nun auf einem anderen Balkon des Rohbaus "eingesperrt" war.

Lange brauchte ich auf unserer Liegewiese von vorgestern gar nicht zu warten, da rollte kurz nach 11 Uhr schon ein erster Zug abwärts. Paar kleine Wolkenfetzen machten die Sache zwar spannend, doch sind die Bilder dennoch gut geworden. Der Himmel war nun fast wolkenlos und in mir wuchs die Vorfreude auf viele sonnige Fotos. Wie konnte ich denn ahnen, dass der Himmel bereits zwei Stunden später wieder völlig bewölkt sein würde? Es blieb aber angenehm warm, so dass ich weiter auf meiner Wiese faulenzen konnte. Und schon bald trafen mich wieder die Sonnenstrahlen.


Ein eindrucksvoller Güterzug, aber leider ohne Sonne.
Der Zug passiert das frisch einbetonierte Vorsignal von Ka¹tel Stari.

Das Wetter wechselte im Zweistundentakt, wobei mir die erste Wolkenphase keine Zugdurchfahrten "verdunkelte". In der darauffolgenden Sonnenphase gab es einen Abwärtsfahrer mit Doppeltraktion (vorn sogar eine 2061). Zu den sicheren Zügen Pu 5504 und dem darauffolgenden Güterzug war im Rahmen des Zweistundentaktes der Wolken aber leider wieder fetter Schmodder vor der Sonne angesagt. Dabei wäre der Putnièk sogar mit "richtigrummer" Lok gekommen. Die GMs haben nämlich zwei völlig verschiedene Seiten. Während die Griechen ihre Loks immer möglichst so hindrehen, dass die breite Fensterfront nach vorn zeigt und dem Tf bestmögliche Streckensicht gewährt, fahren die Loks in Kroatien mehr nach Zufall. Da ja zwei Lokführer auf der Lok sind, kann je einer auf jeder Seite des Vorbaus entlang vorwärts schauen, wenn die Lok rückwärts fährt.
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« Odgovor #13 : Lipanj 01, 2009, 13:32:30 »


Der darauffolgende Güterzug war der fotogenste Zug, den ich hier in der Ecke mitbekommen habe. Zwei 2061er zogen eine ausgewachsene Kette von Zementwagen im Schneckentempo aufwärts. Leider war es nur ein Klangerlebnis, denn die Sonne hatte sich zum Zeitpunkt der Durchfahrt vollends verabschiedet. Zum abwärts fahrenden Putnièk war wieder edelster Sonnenschein, doch der Zug kam derartig aus dem Licht, dass ich mir ein Bild schenkte. Ein aufwärts fahrender Güterzug kam leider nicht mehr.

Lars hatte inzwischen angerufen und erzählt, dass er den Nachmittag in Trogir verbringen würde. Wir hatten uns auf den 18.30 Uhr-Bus ab Trogir verabredet, in den ich in Ka¹tel Stari zusteigen wollte. Da noch etwas Zeit war, drehte ich noch einen Schlenker durch die Altstadt und über die Hafenpromenade von Ka¹tel Stari. Hier gab es nette Restaurants. Das Meer lag ganz still da. Um 18.35 Uhr stand ich dann mit vielen anderen (meist jüngeren) Leuten an der Haltestelle. Was nicht kam, war der Bus. Lediglich in der Gegenrichtung kam ein völlig überfüllter Schlenki durch. Es wurde dunkler und dunkler, doch kein Bus kam in Sicht.


Am Hafen von Ka¹tel Stari.

Beeindruckend war die Gelassenheit der Jugendlichen, die warteten. Man vertrieb sich die Zeit durch Klönschnacks mit den sonst so durch den Ort flanierenden Leuten. Nur einer schaute ständig auf die Uhr und sah so aus, als ob Linie 37 ihm gerade ein Date zum platzen bringen würde. Irgendwann nach 19 Uhr meldete sich Lars und erzählte, dass der 18.30 Uhr-Bus ausgefallen sei und der 19-Uhr-Bus mit Motorschaden am Straßenrand zwischen dem Flughafen und Ka¹tela stand. Die Insassen zweier Busladungen warteten jetzt auf den 19.30 Uhr-Bus...

Bus 37 Ka¹tel Stari ca 19.50 > Split ca 20.30

Der Bus kam brechend voll in Ka¹tel Stari an. Zum Glück stiegen viele aus und nach Durchbruch durch die Front der Stehenden bekam ich sogar einen Fensterplatz ab. Zwar kippte das Sitzgestell mitsamt der zwei Holzsitze bei jeder Bremsung nach vorn, doch war das eher nebensächlich. "Leider" schaffte es der Schaffner dann doch irgendwann, bis in den Hänger des Schlenkis vorzudringen, so dass ich doch noch meine 13 Kn abdrücken durfte. Nach dem Kassieren musste sich der arme Kerl erstmal zum entwerten mit dem Ticket in den vorderen Wagen und zurück durchdrängeln, da der Entwerter im hinteren Wagen defekt war. Ich empfehle für solche Zwecke Schaffnerzangen...

Abends gingen wir nochmal in die Taverne, die diesmal gähnend leer war. Weshalb geht freitags und samstags in Kroatien niemand essen (viele Restaurants haben am Wochenende sogar geschlossen!)??

Samstag, 12. April 2003: Split - Karlovac

Erstmals waren wir nicht die einzigen Pensionsgäste und hatten das Bad nicht für uns allein, doch passte es zeitlich (zumindest für uns...) gut. Obwohl morgens das Wetter recht brauchbar aussah, waren wir einhelliger Meinung, dass heute Abreise angesagt sei. Schließlich waren wir nicht wenig gespannt auf die Zugfahrt mitten durch die Krajna, wo sich Serben und Kroaten in blutigen Auseinandersetzungen gegenseitig vertrieben haben.

Die 300 000 Einwohner-Stadt Split liegt bahnmäßig eine volle Tages- oder Nachtentfernung von der Landeshauptstadt Zagreb entfernt. Und doch liegen beide Orte nicht weiter auseinander als Köln und Hamburg. Dieser langsamen Verbindung entsprechend ist die Nutzung der Bahn praktisch bis zur Bedeutungslosigkeit zurück gegangen. Während parallele Buslinien zeitweise im Stundentakt fahren, bietet die Bahn nur noch je einen durchgehenden Tages- und Nachtschnellzug an. Lediglich in der Hauptsaison von Juni bis August kommen zwei weitere Nachtzüge hinzu.

IC 520 Split 08.55 > Karlovac 15.32+30

Die Besetzung des Zuges hat uns etwas nachdenklich gemacht. Ab Split hätten wohl drei Wagen gereicht, um jedem Reisenden sein eigenes Abteil zu sichern. Doch das bittere war, dass sich der Fahrgastwechsel im weiteren Fahrtverlauf nur unwesentlich über Null bewegte. Selbst in Knin stiegen nur drei Reisende zu! An dieser Stelle sollen nochmal lobend die kroatischen Abteilwagen erwähnt werden, in denen wir es sicher noch länger ausgehalten hätten. Schade fanden wir nur, dass der im Fahrplan versprochene Caféwagen fehlte - wie bisher an jedem Tag, an dem wir den Zug gesehen haben.
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« Odgovor #14 : Lipanj 01, 2009, 14:05:05 »



Unser Intercity wird in Split bereitgestellt.
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Irrte ich oder kam da tatsächlich ein wehmütiges Gefühl auf, als wir durch unsere Fotohänge oberhalb von Ka¹tela die Steigung erklommen - vorbei an King, dem Doberman, der träge vor seiner Hütte lag und vorbei an dem Rohbau, von dem uns der Asthmatiker hinterherbellte?

Hinter Perkoviæ kamen wir in neues Territorium. Ab Une¹iæ befuhren wir eine weite, nur mit spirrigen Bäumen bestandene Hochfläche. Vor uns zeigte sich geschlossene Bewölkung, während die karge Vegetation rund um uns noch von der Sonne angestrahlt wurde. Vereinzelt auftauchende Steinhütten oder kleine Häuschen an der Bahn waren allesamt nur noch Ruinen. Wir hatten unverkennbar das Kriegsgebiet erreicht. Diese Erkenntnis zusammen mit der unwirklichen Beleuchtung schuf eine eigenartige Stimmung.

Als nächstes fuhren wir über einen kleinen Damm durch das karge Land auf den Bahnhof ®itniæ zu. Schon von weitem fiel uns eine Bewegung an der Bahnhofseinfahrt auf. Es handelte sich um den Weichenwärter, der mit seiner Fahne schwenkte. Erst jetzt bemerkten wir, dass es hier gar keine Signaltechnik gab. An Stelle des Einfahrsignals stand nur eine runde rote Tafel. Somit signalisierte uns der Weichenwärter die freie Einfahrt!

Der Ort bot eine zweigeteilte Ansicht, die wir auch in den nächsten Ortschaften immer wieder beobachten konnten. Einerseits sah man durchaus viele zerstörte und unbewohnte Häuser. Andererseits fielen eine Vielzahl an Neubauten und nagelneue Straßenbeläge mit penibelster Fahrbahnmarkierung auf. Die Verkehrs- und Hinweisschilder wirkten noch wie geleckt und waren so reichhaltig vorhanden, dass man sich fast in den Schilderwald Deutschland versetzt fühlte; vor kleinsten Feldweg-Übergängen waren die Warnschilder mit dem "Schnelltriebwagen" aufgestellt.


Wir erreichten eine wilde Hochebene.
Hier beginnen die ehemaligen Kriegsgebiete.

An einem Schluchtensystem vorbei und über eine weite Rundkehre wird Drni¹ erreicht. Es handelt sich um eine der bedeutenderden Städte an dieser Strecke, doch der etwas periphäre Bahnhof lag wie tot da. Der einzige Mensch, der zu sehen war, war der Fahrdienstleiter. Nichtmal sein Weichenwärter ließ sich blicken. Nach einigen Minuten Aufenthalt gab er uns und einer entgegen kommenden 2062 ohne Zug den Befehlsstab und weiter ging es auf den Knotenbahnhof Knin zu.

Vom Bahnhof Kosovo (auch mit winkendem Weichenwärter) bis Knin war die Strecke zeitweise gesperrt. Die Bummelzüge wurden z.T. durch Busse ersetzt, doch wir durften mit ca 40 km/h das Gleis befahren. In Knin erwarteten uns große Gleisanlagen, die sogar elektrifiziert sind. Allerdings schien ein Teil der Gleise nicht mehr angeschlossen zu sein. Der Gleisplan sah "bereinigt" aus, die Fahrleitung entsprach jedoch noch dem alten Zustand, was sehr merkwürdig aussah.

Die Fahrleitung ist ein Relikt aus der Zeit vor dem Krieg, als Knin hauptsächlich über die elektrifizierte Strecke über Bihaæ an den Rest der Welt angebunden war. Diese Strecke ist durch die Grenze zu Bosnien-Herzegowina mehrfach unterbrochen worden und erst in jüngster Zeit provisorisch wiederhergestellt worden. Das in der elektronischen Fahrplanauskunft bereits enthaltene Zugpaar Split - Knin - Martin Brod (Bosnien-Herzegowina) fiel jedoch noch auf ganzer Länge aus. Immerhin scheint die Wiederaufnahme des Verkehrs auf der ehemals elektrifizierten Strecke Richtung Bihaæ in nächster Zeit beabsichtigt zu sein. Von der Fahrleitung sind auf der freien Strecke allerdings nur noch die Masten ohne Ausleger übrig geblieben.

Knin - dieser Knotenbahnhof machte sich dann auch durch den stärksten Fahrgastwechsel im Laufe unserer Fahrt bemerkbar: Volle drei Reisende standen auf der provisorischen Aufschüttung hinter dem hintersten Bahnsteig, an der unser Zug zum Stehen kam. Dafür schauten sich allerdings zwölf Eisenbahner interessiert den Zug an. Das Rotkäppi gab unserem Lokführer eine Art schriftlichen Befehl. Als er dann schon den Befehlsstab gehoben hatte, kam noch ein älterer Herr mit großem Koffer angehetzt, der noch weit bis zu unserem hinterhintersten Bahnsteig zu laufen hatte. Gewartet wurde natürlich, obwohl der Zug schon Verspätung hatte, doch eine unterstützende Hand für den schweren Koffer wurde von keinem der zwölf Eisenbahner gereicht.
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Jedna ruka drugu pere
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