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Autor Tema: Reisebericht Croatien 2003  (Posjeta: 18021 )
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Marica
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« Odgovor #15 : Lipanj 01, 2009, 16:17:04 »



In Perkoviæ war der IC 520 noch pünktlich und der Zugführer
hatte mit freundlichem Kopfnicken zugestimmt,
dass ich den Zug fotografieren dürfe.

Unser IC 520 befuhr nun die Lièkabahn, eine Gebirgsbahn von ehemals eher nebensächlicher Bedeutung, die seit der neuen Grenzziehung die einzige Anbindung Knins an das übrige Kroatien darstellt. So ganz intakt schien die Strecke (noch) nicht zu sein: Wir tuckerten stundenlang mit 40 km/h durch die Gegend. Die Strecke führt hinter Knin steil hinan in eine völlig karge und einsame Bergwelt, in der nur selten mal ein Dorf zu sehen ist. Dafür werden Viadukte, imposante Abgründe und immer wieder weite Ausblicke auf noch höhere Berge geboten. Der Scheitelpunkt (ca 800m) ist in Malovan erreicht. Im Personenverkehr sind hier nur noch die zwei Fernzugpaare (IC und Nachtzug) übrig geblieben. Bis Graèac am Ende der ersten Gebirgsquerung war aber auch im Umkreis von fast keinem Bahnhof irgendein Verkehrsbedürfnis zu erkennen - und dies nicht nur kriegsbedingt.

Graèac und Gospiæ bilden die Hauptorte in der Lièko-Polje, einer von imposanten Hochgebirgszügen eingerahmten wilden Ebene mit Heidecharakter, durch die die Bahn nun führt. In beiden Städten kein Fahrgastwechsel! Dafür sind von der Bahn aus bei Gospiæ nun erstmals Warnschilder vor Minenfeldern zu sehen. Die Absperrbänder hat der Wind allerdings teilweise zerfetzt.

Hinter Gospiæ beginnt die zweite Gebirgsquerung. Der Landschaftscharakter ist hier allerdings völlig anders - mitteleuropäischer. Die Wälder, durch die es geht, muten eher nach Erzgebirge an. Dennoch bietet die Hanglage der Bahn auch hier imposante Ausblicke. Mehrere lange Tunnel werden durchfahren. Ab Vrhovine in der Nähe der bekannten Plitvicer Seen gibt es sogar wieder Nahverkehr. Zwei Zugpaare verkehren zwischen hier und Ogulin und halten auch an einsamsten Wald(wander?)bahnhöfen. Das erste Zugpaar verkehrt allerdings vorm Aufstehen... Gebildet werden diese Züge aus 2062 und alten schweizer Wagen mit Faltenbalg-Übergang. Zielgruppe dieser Züge sind offenbar die Eisenbahner, die an den kleinen Stationen in den unwegsamen Gebirgswäldern arbeiten...

Rudopolje stellt auf dieser Gebirgsquerung den Scheitelpunkt dar. Bei Pla¹ki ist dann wieder die Ebene mit leicht hügeliger Weide- und Ackerlandschaft erreicht. Von Pla¹ki bis Ogulin verkehrt noch ein drittes Putnièki-Zugpaar. Bei O¹tarije gelangen wir über ein Gleisdreieck an die Strecke Zagreb - Rijeka. Da sowieso von Diesel- auf E-Traktion gewechselt werden muss, machen die Fernzüge von Split in Ogulin kopf, bevor sie ihre Fahrt nach Zagreb fortsetzen.

Die Infrastruktur der Lièka-Bahn ist noch nicht in Gänze wieder hergestellt. Besonders auffällig sind die immer wieder fehlenden Signalanlagen, wo das in ®itniæ bereits beobachtete Verfahren zur Anwendung kommt. Wenn nicht genügend freie Sicht besteht, muss der Weichenwärter bis zur Esig-Tafel vorlaufen, wo er dann an irgendeiner exponierten Stelle (z.B. Schotterhaufen / Einschnittrand) steht und winkt. Wo die Empfangsgebäude im Krieg zerstört worden sind, hat man weiße Container aufgestellt, in denen das Personal nun residiert.

Durch die Schleicherei rund um Knin kamen wir mit dreißigminütiger Verspätung in Karlovac an. Hier mussten alle aussteigen, da die Strecke im weiteren Verlauf bis Zagreb durch Bauarbeiten unterbrochen war. Wir waren allerdings am Etappenziel für die nächsten Tage angekommen. Karlovac machte so gar keinen sympatischen Eindruck auf uns. Vom Zug aus hatten wir schon einen Blick auf die Neustadt erhaschen "dürfen", die nach einer Mischung aus Halle-Neustadt und Lütten Klein vor der Wende aussah.

Aus dem Bahnhof traten wir erstmal an eine vierspurige Schnellstraße ran, der wir bis zu einer Flussbrücke folgen mussten. Unweit des Flusses fanden wir dank einer vorliegenden Wegbeschreibung das Hotel Carlstadt, seines Zeichens erstes und wohl auch einziges Hotel am Ort. Was wir hier für 50 Euro fürs Zimmer bekamen, war sein Geld allerdings auch dicke wert. Nach der Primitiv-Herberge in Split tat es gut, mal wieder in richtig gepflegtem Ambiente wohnen zu dürfen. Das Hotel-Personal zeichnete sich zudem durch eine ungekünstelte natürliche Freundlichkeit aus.

Der Fernseher musste ja auch gleich mal getestet werden. Die ARD war auf Programmplatz 28 verbannt worden. Dort hatte gerade die Live-Übertragung der nationalen Entscheidung über die Olympiastadt begonnen, bei der erst Warnemünde und dann Leipzig das Rennen machten. Als dann auch noch so ein Blondchen interwiewt wurde, das deutsche Olympia-Botschafterin werden sollte, die aber alles nur ganz "suppa" fand und beim Interwiew eigentlich gar nichts sagte, schalteten wir lieber schnell wieder ab.

Der Tag war noch nicht zuende, und so erkundeten wir etwas die Umgebung. Schräg gegenüber des Hotels lag ein gepflegter zentraler Platz mit hübschen Cafés. Durch einen Grüngürtel, der offensichtlich ein alter Festungsring war, gelangten wir daraufhin in die eigentliche Altstadt. Karlovac blickt auf eine lange Geschichte als Garnisonsstadt zurück und war im zurückliegenden Krieg als solche heiß umkämpft gewesen. Einige Bereiche der Altstadt boten sich auch anno 2003 noch als Trümmerruinen, doch weitaus der größte Teil war renoviert und machte einen sympatischen Eindruck. Bei näherem Hinsehen stellte man in den Fassaden aber noch viele Einschusslöcher fest. Immerhin - es brauchten offenbar nur wenige Häuser abgerissen und neu gebaut zu werden.

Eigenartigerweise kommt das Abendleben in Kroatien gerade am Wochenende in weiten Teilen zum Erliegen. Restaurants haben nur Mo-Fr oder mit Glück Mo-Sa geöffnet. So war es auch hier, und in den Straßen liefen nur wenige Menschen umher. Erstmal setzten wir uns dann in ein Café, denn einen Kaffee hätten wir schon im Zug gern mal getrunken. Es hätte ja wenigstens mal eine Minibar durchkommen können... Die restliche Zeit bis zum Abend relaxten wir im Hotel.
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« Odgovor #16 : Lipanj 01, 2009, 16:24:09 »


Eines der wenigen geöffneten Restaurants an diesem Samstag-Abend war das Lehr-Restaurant der Hotel- und Gastronomiefachschule. Es war der reinste Wahnsinn: Sofort nach Eintritt in das Etablissement sprangen die jungen Mädels, offensichtlich alle im Lernstadium, auf uns zu. Während die eine uns die Jacken abnahm, zeigte uns eine andere die bis auf eine Vierergruppe gähnend leeren Räumlichkeiten, damit wir uns einen schönen Platz aussuchen konnten. Für die Bestellung kam der Lehrmeister persönlich, der fließend deutsch sprach.

Irgendwie muss der Betrieb gewaltig subventioniert gewesen sein. Wir verzehrten je einen Salatteller, wahnsinnig zartes Filetsteak mit Bohnen und Bratkartoffeln, hinterher frisch zubereiteten Palatschinken, dazu nicht ganz wenig Wein und zahlten dafür pro Person 10 Euro! Schade nur, dass das Restaurant am morgigen Sonntag geschlossen haben würde...

Sonntag, 13. April 2003: Karlovac - Zagreb - Karlovac

Hatte unser Hotel schon einen verdächtig schwedisch klingenden Namen, so gab es morgens sogar ein als "skandinavisch" bezeichnetes Frühstücksbuffet. Es war wirklich ordentlich - das beste Frühstück, das ich in Europas Südhälfte je bekommen habe. Dennoch fand ich die in kleinen Portionspackungen abgepackten Leberwurst- und Marmeladen-Einheiten nicht ganz so skandinavisch... Auf dem Weg zum Bahnhof kamen wir am Bw vorbei, in dem die silbernen Schienenbusse beheimatet sind, die von hier die Nebenbahn nach Metlika befahren. Leider war es bewölkt, so dass wir den Fotoschuss ins Bw für einen der nächsten Tage aufhoben.

SEV für D 703 Karlovac 09.23+25 > Zagreb 10.00+30

Wegen der Sperrung zwischen Zdenèina und Hrvatski Leskovac bestand der Schnellzug ab Karlovac aus drei Bussen, die über die Autobahn zügig voran kamen. Während wir in Karlovac auf die Einfahrt des verspäteten Zuges warteten, konnten wir fünf Eisenbahner beobachten, die einer Putzfrau bei der Arbeit zuschauten und ihr Tipps gaben, wie sie ihren Besen noch schwungvoller führen könne...

Nach Ankunft in Zagreb schauten wir uns erstmal den Hauptbahnhof an. Um 10.49 Uhr traf pünktlich der D 415 Feldkirch - Beograd ein. Der von einer 1142 geführte Zug hatte sieben Wagen, von denen jeder eine andere Farbe hatte. Nachdem der Fernverkehr erstmal den Bahnhof verlassen hatte, wendeten wir uns der anderen Seite des Empfangsgebäudes zu, auf der die Straßenbahn fuhr. Wir hatten bereits Tatra-Gelenk- und Einzelwagen (mit Hänger) gesehen, außerdem Duewags aus Mannheim. Die rundlichen Tatras schienen die ältesten Fahrzeuge zu sein, daher versuchten wir, gerade diese vor dem Bahnhof mit Blühbäumen in Szene zu setzen. Immerhin kam nun zunehmend die Sonne raus.

Uns fiel eine große Polizeipräsenz in der Stadt auf. Wir erwarteten geradezu die nächste "persona kontrola". Viele Polizisten waren grau uniformiert - offenbar handelte es sich um Bereitschaftspolizei. Mit verschiedenen Fotohalten schlenderten wir nun in die Altstadt. Beim Trg Bana Josipa Jelaèiæa, dem zentralen Hauptplatz der Stadt, stellten wir fest, dass wir doch noch nicht alle Strab-Bauarten gesehen hatten: Hier fuhren alt-ehrwürdige Bahnen mit Holztüren, die von der Form her an die letzte Hamburger Straßenbahn erinnerten. Mittlerweile hatten wir etwa 50% Sonne, so dass wir auch diese Fahrzeuge aufnehmen konnten.

Links: Der D 415 mit seinem bunten Wagenpark in Zagreb.
Rechts: Urige Straßenbahn-Fahrzeuge von Duro Darkovic auf dem Trg Bana J. Jelaèiæa. Vergrößerungen per Mausklick.

So langsam wurde der Grund für die Polizeipräsenz deutlich: Die Stadt füllte sich mit Fußballfans. Wie wir später erfuhren, spielte Zagreb gegen Split. Wir verließen den Platz durch eine schmale Straße in Richtung Oberstadt. Als der Gehweg einmal völlig frei war, raste ein kleiner Junge auf seinem Plastikauto mit einem Affenzahn den Bürgersteig hinunter. Wenn da jemand aus einer Haustür getreten wäre...

In der Oberstadt wunderten wir uns, dass auch hier an einigen Häusern Polizisten standen. Einer schlenderte durch die Gegend und schrieb SMS, ein anderer schaute gelangweilt einigen Kindern zu, die auf einem kleinen Kirchhof mit dem Ball gegen die Kirchenwand schossen. Erst bei näherem Hinsehen fiel uns auf, dass sich diese alltägliche Szene dort abspielte, wo die Geschicke Kroatiens gelenkt werden. Auf der einen Seite des Hofes befand sich nämlich der Regierungssitz und auf der anderen Seite hinter gepflegten Fassaden das Parlament.
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« Odgovor #17 : Lipanj 01, 2009, 16:38:17 »



In anderen Hauptstädten wird vorm Regierungssitz strammgestanden,
in Zagreb nimmt man das alles etwas lockerer.

Überhaupt machte die Oberstadt einen beschaulichen Eindruck. Von einem Balkon neben der Standseilbahn konnte man entspannt auf die Unterstadt hinunter blicken, während im Hintergrund ein Gitarrenspieler unaufdringlich vor sich hin klimperte. Das war so entspannend, dass wir uns erstmal in ein nahegelegenes Freiluft-Café setzten, während von unten zunehmendes Gegröhle der Fußballfans gedämpft zu uns hoch wehte. Erst beim Gang zum Klo merkten wir, dass das weit entfernte Café, zu dem unsere Freiluft-Tische gehörten, ein eher vermiefter und lauter Laden mit diversen Spielautomaten und Billardtischen war.

Zurück in der Unterstadt lösten wir uns Tageskarten für die Strab und fuhren mit einem der alten Züge nach Dubrava und zurück bis Frankopanska. In Dubrawa ging es einfach durch die Kehre, wobei ein älterer Herr hinter mir, der die ganze Fahrt am pennen gewesen war und der nun auch wieder mit stadteinwärts zurück fuhr, uns fürsorglich auf deutsch fragte, ob wir denn wüssten, wo wir hin wollten...

In der Innenstadt trennten wir uns für eine Weile. Ich wollte gern paar vernünftige Bilder von den hechtförmigen Altbau-Strabsen machen. Das war etwas zeitaufwändig, weil nachmittags doch etwa zu 70% Wolken am Himmel klebten. Einige nette Motive rund um die Hst Frankopanska und vor dem Mimara-Museum bekam ich hin. Am Trg hrvatski velikana gab es dann weitere Aufnahmen mit der Nationalbank (trotz anwesender Polizei keine "persona kontrola"!), bevor ich an der Hst Dra¹kovièeva auf Linie 14 nach Mihaljevac wartete. Dabei konnte ich den nun voll entfalteten Stadion-Verkehr beobachten. Die Züge waren proppevoll und die Türen wurden während der Fahrt offen gehalten. Bloß bei den Duewags klappte das nicht - die können erst losfahren, wenn alle Türen dicht sind...

Links: Straßenbahn auf dem Trg hrvatski velikana
(Platz der kroatischen "Größen", kann auch mit "Giganten" übersetzt werden...).
Rechts: Auf der Überlandstraßenbahn 15 bei Mihaljevac.
Vergrößerungen per Mausklick.

Zum Glück musste ich in eine andere Richtung. Von Mihaljevac führt eine zweigleisige Überlandstraßenbahn (Linie 15) einige Stationen in die Berge hinauf. Hier fahren nur einteilige Tatras. An einer von einem Hang einsehbaren Stelle mit gutem Überblick machte ich paar Streckenaufnahmen, bevor ich mit Massen von alten Leuten (hier oben scheint ein großer Friedhof zu sein und es war Palmsonntag) wieder stadteinwärts fuhr. Eine Frau war ununterbrochen wild gestikulierend am reden. Vor lauter sabbeln vergaß sie fast sich hinzusetzen, als ein älterer Herr ihr Platz gemacht hatte.

Dank Handy (wie ist man früher bloß ohne ausgekommen???) fanden Lars und ich dann am Zentralplatz wieder zusammen, nachdem ich noch paar Streiflicht-Aufnahmen in der Innenstadt gemacht hatte. Ursprünlich hatten wir 17.20 nach Karlovac fahren wollen, doch nach mehreren Telefonaten waren wir nun bei 20.37 als Abfahrtszeit angekommen. So blieb uns jetzt noch ordentlich Zeit, in einer Trattoria essen zu gehen - wir entdeckten ausschließlich italienische Restaurants. Lars' Meeresfrüchte-Salat bestand nur aus Meeresfrüchten und mein Risotto (fast) nur aus Reis...

Von einem Großbild-Fernseher in dem Restaurante erfuhren wir, dass Zagreb gegen Split 0:1 verloren hatte. Wir würden wohl im Zug mit den Fußballfans zusammen zurückfahren müssen... Erstmal konnten wir die Ankunft des B 396 aus Ploèe beobachten. Er bestand aus zwei H®-Wagen in der Mitte plus vorn und hinten als Komfort-Kontrast je einen ®RS-Abteilwagen. Diese Wagen liefen bei der DR mal unter der Gattung "B" und befanden sich noch im Originalzustand: Grün/elfenbeinfarbene Lackierung, 8er-Abteile und Sitzbänke mit rotem Kunstleder-Bezug. Die ®RS ist die Bahn der serbischen Provinz in Bosnien-Herzegowina "®eljeznice Republika Srpska".
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« Odgovor #18 : Lipanj 01, 2009, 16:47:34 »



Abendliches Streiflicht in der Fußgängerzone.

Pu 4102 Zagreb 20.37 > Karlovac 21.33+14

Der Zug bestand bis Hrvatski Leskovac aus einer S-Bahn-Garnitur (Baureihe 6111), die äußerlich durch ihre Farbgebung ein wenig an die 420er in blau/weiß erinnerte. Immerhin: Auch die S-Bahn hat in Kroatien Stoffpolster! Erwartungsgemäß waren viele Fußballfans an Bord, allerdings nicht bei uns im Abteil. Ab Hrvatski Leskovac bestand Schienenersatzverkehr mit zwei Bussen. Unser Busfahrer sorgte als erstes für Ordnung, indem er nach hinten ging und den Fußballfans das Rauchen verbot. Mittlerweile war es dunkel, so dass wir die Busfahrt als ziemlich wirres Rumgekurve empfanden.

In Zdenèina stand die planmäßige Zug-Garnitur in Form einer 1141 und drei von den schönen Abteilwagen bereit. Diese waren gänzlich unbeleuchtet, was aber nichts machte, da die Kroaten abends auch bei funktionierender Beleuchtung das Licht lieber ausknipsen - was ich gut nachvollziehen kann. Der Schaffner war darauf eingerichtet und kam mit einer starken Handlampe durch, mit der er immer mal wieder in die Abteile hinein leuchtete. Bei uns im Abteil saß ein in Ljubljana lebender Deutscher, der uns etwas über das slowenisch / kroatische Verhältnis erklären konnte. Es gäbe im Bereich der Grenzziehung bei Istrien wohl noch einige offene Fragen...

Die Fußballfans waren weitestgehend friedlich gewesen. Dennoch wurden sie in Karlovac von mehreren Polizeiwagen erwartet, die langsam neben den Fans auf ihrem Nachhauseweg her fuhren, bis sich die Grüppchen aufteilten. Selbst auf dem inoffiziellen Fußweg durch die Bahnanlagen zur Flussbrücke folgte ein Wagen soweit wie es möglich war. Das war das erste und einzige Mal, dass uns die hohe Polizeipräsenz in diesem Lande ein gewisses Gefühl der Sicherheit gab...

Montag, 14. April 2003: Karlovac - Metlika - Karlovac

Wir hatten heute wieder mal die berühmten zwei Möglichkeiten. Bei Nicht-Wetter gab der Fahrplan eine Rundtour über Zagreb nach Sevnica - Trebnje - Metlika - Karlovac her, während bei Sonnenschein natürlich die Schienenbusse auf der Metlika-Bahn fotografiert werden sollten. Da wir für die Schönwetter-Variante eine Dreiviertelstunde später los mussten, drehten wir uns, als wir bei blauem Himmel aufwachten, nochmal kurz um. Die geschlossene Bewölkung zog eigentlich erst auf, als wir vom Frühstück wiederkamen... Wir beschlossen daraufhin, einfach mal mit dem nächsten Schienenbus bis Bubnjarci, dem Hp vor der slowenischen Grenze, mitzufahren. Weiter ins slowenische Metlika geht es nur um die Mittagszeit und nachmittags.
 
Pu 4404 Karlovac 09.20+5 > Bubnjarci 10.02

Die Verspätung entstand durch Anschlussaufnahme. Der einteilige Schienenbus war relativ leer. Hinter Ozalj verschwindet die Bahn im Gebirge, wo sie oberhalb des Kupa-Tals ansteigt. Schon Ozalj gefiel uns mit seinem Schloss sehr gut.

Obwohl der Zug nicht die Grenze querte, standen die örtlichen Polizeiorgane wachsam vor dem Empfangsgebäude. Und mit messerscharfem Blick enttarnten sie uns sogleich als verdächtige Objekte. Zum Amüsement der anwesenden fünf Eisenbahner (Tf, Beimann, Zf und zwei Fernmeldetechniker) und sieben Fahrgäste - zumeist Schüler - wurden nun penibelst unsere Ausweise überprüft (gut, dass wir sie nicht an der Hotelrezeption abgegeben hatten, wie es in den meisten Hotels gewünscht wird). Danach durften wir allerdings nach Herzenslust den Triebwagen fotografieren, was die Schüler wahrscheinlich bald noch mehr amüsierte. Die Herzenslust hielt sich allerdings in Grenzen, da die Sonne nur matt hinter den Wolken zu erahnen war.

Pu 4405 Bubnjarci 10.20 > Ozalj 10.41

Paar Schüler auf der anderen Seite des Ganges versuchten anhand unseres Gespräches zu enträtseln, woher wir kämen. Einer meinte "Njemaèka", woraufhin seine Kollegin überlegend "da --- da" meinte. Für Deutsche gibt es keine Tarnung! In Ozalj konnten wir den VT zusammen mit Fdl und Ww immerhin im Halblicht fotografieren. Anschließend wollten wir mal schauen, was sich motivtechnisch mit Fluss, Burg und Einfahr-Formsignal so alles anfangen lässt.
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« Odgovor #19 : Lipanj 01, 2009, 16:58:18 »



Der Sinobus bekommt den Abfahrauftrag, während
der Weichenwärter letztmalig an diesem Tage nur
zuschaut. Die folgenden Züge kreuzen grundsätzlich
in Ozalj, was ihm einige Fahrten auf seinem
Dienstfahrrad zu den Einfahrweichen einbringen wird...

Es hätte sich vieles anfangen lassen. Wenn denn die Sonne mal länger geschienen hätte. Zwar weckten immer wieder blaue Flächen die Hoffnung, dass es mit dem nächsten Zug doch klappen müsste, doch dann nahm die blaue Fläche wieder eine andere Richtung. So wurden von Zugfahrt zu Zugfahrt unsere Chancen kleiner, noch eine kleine Rundtour über Metlika hinaus durch Slowenien durchführen zu können. Zwischen den Zügen konnte man ganz nett im Schlosspark oder am Ufer der aufgestauten Kupa sitzen, doch der Frust wurde immer größer. Neben den GM-Dieseln und Gleichstrom Elloks gehörten nämlich die Schienenbusse mit zu den begehrten Fahrzeugen, von denen wir gern paar brauchbare Fotos mitgebracht hätten.

Den letzten Zug, der tagsüber bis Metlika fährt, wollten wir dann aber doch mal nehmen, um wenigstens bis Metlika gefahren zu sein. Immerhin gelangen mir im Bahnhof Ozalj nochmal paar Sonnenaufnahmen von der Kreuzung. Die zweite Einheit bestand übrigens aus VT+VB.

Pu 7766 Ozalj 14.41+10 > Metlika 15.10+10

Die Grenzer in Bubnjarci erkannten uns wieder und verzichteten auf eine Ausweis-Kontrolle. Ihr Kollege in Metlika sprach sogar deutsch und erlaubte uns im Bahnhof zu fotografieren. Hier war wirklich etwas los: In den 17 Minuten Wendezeit musste der VT der Schienenbus-Einheit um den VB umlaufen. Ein slowenischer VT der Reihe 713 nutzte unsere Wendezeit derweil, um als Sperrfahrt nach Rosalnice zu fahren, dem letzten Hp auf slowenischem Gebiet, der von den kroatischen Putnièki vlaks ohne Halt durchfahren wird. Solche Sperrfahrten gibt es nur zweimal am Tag (Mo-Fr). Und noch jemand wurde während der Wendung aktiv: Eine extra aus Kroatien mitgereiste Putzfrau begann den Boden der Schienenbus-Garnitur zu fegen...

Pu 7767 Metlika 15.27 > Karlovac 16.18+12

In Ozalj mussten wir länger auf den Gegenzug warten. Lars war doch noch zu einer abendlichen Rundtour in Richtung Trebnje aufgebrochen. Ich selbst war hingegen gefrustet und entschied mich für einen Hüttenabend mit Großstadtrevier, Wein und Käsetasche, die ich mir noch aus der Stadt besorgte. Die Tagesschau ließ ich aus - im Urlaub will ich nix von alledem hören, doch in den Wetterbericht habe ich dann doch mal reingelinst: In Deutschland war für die folgenden drei Tage in allen Landesteilen nur Sonne angekündigt! Das tat weh! Lars kam erst sehr spät wieder.
 
Dienstag, 15. April 2003: Karlovac - Ljubljana - Zagreb - Karlovac

Das Wetter war trübe. Lars wollte gern die Plitvicer Seen aufsuchen. Sowohl Karlovac als auch die Seen liegen an der Haupt-Busroute von Zagreb in Richtung Süddalmatien, so dass ein Hinkommen kein Problem war. Zurück wollte sich Lars zum Bahnhof Vrhovine durchschlagen. Ich selbst wollte heute mal einen Fahrtag einlegen und mal schauen, wie es denn hinter Metlika weiter geht. Bis zum nächsten Zug nach Metlika hatte ich viel Zeit, die ich einfach auf einer Bank auf dem Hausbahnsteig von Karlovac sitzend verbrachte. Und man sah da ja so einiges...


Sogar auf der Hauptstrecke gelangen die alten
schweizer Wagen mit Faltenbalg-Übergängen
zum Einsatz, hier in Karlovac.

Da waren zum Beispiel der stark verspätete Schnellzug aus Rijeka und der nicht minder verspätete Bummelzug aus Zdenèina (Zagreb). Kaum waren sie zum Stehen gekommen, ertönte das gleichmäßige "Pling" des Wagenmeisters, der mit seinem Hammer an die Radreifen schlug, um am Klang etwaige Risse feststellen zu können. Als ein Güterzug in Richtung Norden ausfuhr, sprintete ein anderer Wagenmeister plötzlich aus seiner Tür im EG dem Zug hinterher, wobei er sogar seinen Hammer wegwarf. Doch was immer er gewollt hatte - der Zug war weg... Zwei weitere Güterzüge verließen dann noch den Bahnhof nordwärts - anscheinend war die Streckensperrung vormittags kurz aufgehoben worden.

Wie schon in Rijeka und Zagreb beobachtet, gibt es auch in Karlovac einen Wartesaal mit viel leerer Fläche. An den Wänden sind bestenfalls einige billige Sitzbänke aufgestellt, ansonsten ist der Raum einfach nur leer und schummrig. Fahrkarten werden noch an herkömmlichen Schaltern verkauft. Das Empfangsgebäude hatte übrigens viele Türen, die alle zu irgendwelchen wichtigen Institutionen führten, die ein Bahnhof halt so haben muss. Ein hagerer Eisenbahner in Zivil, der "seine" Tür neben meiner Bank hatte, wieselte öfters laut schnaufend an mir vorbei. Fast hatte ich den Eindruck, dass ich ihm seine Dienstbank weggenommen hätte. Jedenfalls schien er viel Zeit zu haben. An seiner Tür stand "Garderoba" dran. Eine andere Tür führte in einen Unterrichtsraum, wo der Amtslehrer den Dienstunterricht hielt. Das Rotkäppi schlenderte gelegentlich vorbei und schäkerte mit der Dame vom Schalter oder hielt einen Plausch mit einem der weiteren 15-20 Leute, die in dieser Schicht auf dem Bahnhof Karlovac mehr oder weniger zu tun hatten.
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« Odgovor #20 : Lipanj 01, 2009, 17:11:22 »


Pu 7762 Karlovac 11.20 > Metlika 12.09

Zum Glück wartete der Zug nicht den verspäteten Anschluss aus Zagreb / Zdenèina ab - sonst wäre mein Anschluss in Metlika weg gewesen. Die Zöllner von Bubnjarci erschienen nur unwillig auf der Bildfläche, nachdem der Tf zur planmäßigen Abfahrtszeit paarmal hupte. Offensichtlich darf er nur mit ihrer Zustimmung weiter fahren.
 
Pu 3234 Metlika 12.15 > Ljubljana 15.07

Drei Stunden mit einem Bummelzug - ich hatte ein wenig dagegen angesehen. Doch verlief die Fahrt durch eine nette, abwechslungsreiche Landschaft. Während das Drupa-Tal hinter Ozalj eher an Erzgebirge erinnert hatte, kommt man sich in der Umgebung von Metlika mit hübschen Kirchdörfern eher in den Bayerischen Wald versetzt vor.

Der Zug bestand aus einer Doppeleinheit der zweiteiligen VT-Reihe 713. Die Form der VTs erinnert stark an den deutschen VT 614, doch handelt es sich von der Antriebstechnik her eher um einen Schienenbus. Achtmal a-täglich (wir sind in Slowenien, wo am Wochenende fast kein Nahverkehr fährt!), am Wochenende nur vereinzelt, wird die Strecke bis Metlika bedient.

Der Zug war erst schwach besetzt, doch zwischen Nove Mesto und Trebnje herrschte starker Schülerverkehr und danach füllte sich der Zug auf Ljubljana zu kontinuierlich. Die Landschaft war nett und machte die dreistündige Fahrt relativ kurzweilig. Hinter Metlika setzte sich zunächst die Bayernwald-Landschaft fort, bis dann vor Nove Mesto ein Gebirgszug mit Streckenführung in hoher Hanglage durch Weingärten gequert wurde. Hinter Trebnje ging es ununterbrochen in einem Wiesental a la Allgäu abwärts. Die Abstände zwischen den Dörfern, die sämtlichst über weit sichtbare Kirchen verfügten, wurde nun geringer. In Ljubljana reichte die Zeit gerade für paar belegte Baguettes vom Bahnhofsbäcker.

MV 431 Ljubljana 15.20 > Zagreb 17.49

Bei dem Zug handelte es sich wohl um eine Art internationalen Regionalexpress. Im Umkreis von Ljubljana und Zagreb hielt er wenig, dazwischen im einsamen Savetal jedoch überall. Er diente hauptsächlich als Berufsverkehrs-Verstärker für die stündlich mit Desiros befahrene Nahverkehrslinie. Ab Lubljana war der Zug gut besetzt, in Zagreb stiegen nur noch sieben Leute aus. Ich hatte ein eigenes Abteil und konnte die geniale Strecke ausgiebig genießen.

Etwa eine Stunde lang geht es durch die tief eingeschnittene Save-Schlucht, auf deren Grund oft nur Platz für Fluss und Bahn ist. Die Orte zu den in der Schlucht gelegenen Bahnhöfen müssen alle eine Ebene höher liegen - man sah steile Straßen aufwärts führen. In der Gegenrichtung kam ein Zug nach dem anderen durch: Güterzüge mit allen vorhandenen (Altbau)-Ellok-Baureihen, Desiros, ein Pendolino, Polen-S-Bahnen und internationale Schnellzüge mit Wagen aller erdenklicher Farbgebungen. Der Bahnhof Zidani Most (immerhin EC-Halt!) liegt eng eingekeilt in der Schlucht und verfügt nur über drei Bahnsteiggleise. Das Gleisdreieck, über das die Hauptstrecke nach Maribor (-Budapest) von der Balkan-Magistrale abzweigt, ist quasi in eine Flussmündung hineingebaut worden.

Der Systemwechsel von Gleichstrom auf Wechselstrom findet auf dieser Strecke immerhin am Grenzbahnhof Slowenien / Kroatien, in Dobova, statt (und nicht wie auf der Rijeka-Bahn weit auf kroatischer Seite). Unsere Franzosenlok der S® fuhr mit Schwung ein und wurde von der ablösenden H®-Lok abgezogen und in ein anderes Gleis hineingeschubst, wo sie bald wieder Gleichstrom überm Bügel hatte. Zwei von den ursprünglich fünf S®-Abteilwagen blieben ebenfalls zurück. Die kroatische Grenzkontrolle fand übrigens im fahrenden Zug statt! Es geht also...

Ich hatte ja bis zuletzt gehofft, dass es sich bloß um einen Fehler im Fahrplan handeln würde, dass es zwischen 17.20 und 19.30 keinen Zug von Zagreb nach Karlovac gibt. Doch leider war das die Realität, so dass ich fast zwei Stunden "totschlagen" musste. Eine Zeitlang habe ich mich in das Bahnhofscafé gesetzt, das seit den sechziger Jahren wohl keine Renovierung mehr abbekommen hatte. Das Publikum war sehr durchwachsen. Plötzlich bekam ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung auf dem Tisch hinter mir mit! Und tatsächlich - da stand die eine Kellnerin und hängte doch glatt Gardinen auf!

Pu 4064 Zagreb 19.30+8 > Karlovac 20.26+25

Das Prozedere mit dem SEV fand genauso wie vorgestern statt. Diesmal gab es drei Busse. Ich suchte mir denjenigen aus, dessen Fahrer schon ungeduldig im Leerlauf Gas gab. Und tatsächlich brauste dieser als erstes los. Etwas deprimierend war es, dass man auf diesem SEV-Streckenstück plötzlich vor einem BÜ stand und einen Güterzug vorbeilassen musste. Die Strecke machte hier schon einen relativ fertigen Eindruck.

In Karlovac traf Lars fünf Minuten nach mir aus der Gegenrichtung ein. Er hatte einen interessanten Tag hinter sich. Da wir beide müde waren und das Lehrlingsrestaurant nur bis 22 Uhr geöffnet hatte, verzichteten wir auch heute auf einen zweiten Besuch dort. Statt dessen gab es Wein aus Metlika und Schafskäse aus dem Nationalpark Plitvicer Seen - das war auch nicht zu verachten!
 
Mittwoch, 16. April 2003: Karlovac – Pula


Am letzten Tag klappte endlich der Blick vom morgendlichen Fußweg
zum Bw. Und es stand glücklicherweise ein VT vor dem Schuppen!

Da wir fest vor hatten, heute mal wieder einen Reisetag einzulegen, schien heute Morgen natürlich verstärkt die Sonne. Immerhin konnten wir auf diese Weise endlich die Bw-Fotos von der Flussbrücke aus machen. Im Laufe der Tage hatten wir uns angewöhnt, nicht entlang der vierspurigen Straße zu gehen, sondern auf einem Fußweg, der offiziell über die Bahnbrücke und dann weniger offiziell an der Weichenwärter-Bude vorbei über das Bahnhofsgelände weiter führte.
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« Odgovor #21 : Lipanj 01, 2009, 17:23:22 »


Lange mussten wir auf unseren Zug warten, weil die Baustelle bei Zdenèina ihn schon wieder fast eine halbe Stunde verspätet hatte. Während der Wartezeit konnten wir verschiedene Trupps im Bahnhof beobachten, die die Fahrleitungsmasten mit roten Blitzen und schwarzen Aufschriften versahen. Während der rote Trupp nur zwei Mann stark war, bestand der Schwarz-Trupp aus bis zu vier Leuten. Lars suchte, um die Zeit zu überbrücken, den Bahnhofsfriseur auf. Die Friseuse erkundigte sich bei einem Eisenbahner nach der genauen Verspätung des Zuges, damit sie wusste, wieviel Zeit sie hatte...

Pu 4052 Karlovac 09.09+29 > Moravice 10.49+44

In Gornja Dubrava ging es erstmal nicht weiter. Sehr verdächtig: Eine 2062 tuckerte im Bahnhof vor sich hin und setzte sich dann auch zügig vor unseren Zug. Mit Dieselpower ging es nun weiter. Am nächsten Haltepunkt Tounj sahen wir den Grund: Hier wurde eine Brücke gebaut, weswegen die Fahrleitung abgeschaltet war. Das erlebt man auch nicht alle Tage, dass man an zur Seite gezogenen Erdungsstangen vorbeifährt, die über einem im Draht hängen... In Kukaèa, dem nächsten (winzigen) Bahnhof wurde die 2062 wieder abgenommen.
 
Pu 4602 Moravice 11.05+32 > Rijeka 12.52+54

Immerhin wird diese Zugverbindung als durchgehende "Transportkette" Zagreb - Rijeka angesehen, so dass der Anschluss gewartet hatte. Der einzige Grund für das Umsteigen in Moravice ist, dass bereits hier das slowenisch/italienische Gleichstromnetz beginnt. So gelangt zwischen hier, Rijeka und der slowenischen Grenze bei ©apjane die H®-Gleichstromflotte zum Einsatz, die allerdings nur aus einigen Ansaldo-Doppelelloks (BR 1061) und Polen-S-Bahnen (BR 6011) besteht. Gerade die Elloks sehen allerdings in der kroatischen Farbgebung besser aus, als ihre braunen "Geschwister" in Slowenien oder Italien.


Großes Umsteigen in Moravice,
hinten steht der 6011 nach Skrad bereit.

Hinter Ogulin führte die Strecke schon in einsamste, enge Gebirgstäler. Diese öffneten sich im Bereich von Moravice etwas. Weiter ging es dann mit einem 6011, der voller Schüler war, in häufiger Hanglage bis Skrad. Dort war dann wieder mal SEV angesagt. Diesmal stand nur ein Bus zur Verfügung, der uns über Hochgebirgsstraßen mit weiten Ausblicken über die einsame Welt des Gorski Kotar bis Delnice fuhr. Bis hier waren wir ja schon zu Beginn unserer Tour gekommen.

Ab Delnice bestand der Zug wieder wie neulich aus einer 1061 und zwei netten Abteilwagen. Zwar waren einige Schüler an Bord, doch hatten wir ein eigenes Abteil. Der Ausblick auf die Kvarner Bucht und die Insel Krk war mal wieder genial. Nachdem im Gebirge viele Wolken gehangen hatten, beschien nun die Sonne die Hänge und Gärten, in denen sich nun endlich in größerem Maße die Büsche ans Blühen machten. In Rijeka hatten wir zum Glück eine etwas längere Übergangszeit. Weil das Schienennetz Istriens nur über Slowenien angeschlossen ist, hat die H® eine Bahnbuslinie von Rijeka nach Lupoglav, dem nächsten istrischen Bahnhof, eingerichtet. Und ob dieser Bus bei Verspätung wohl gewartet hätte?

H®-Bus Rijeka 14.30 > Lupoglav 15.10

In Rijeka kam ein Bahnschaffner durch, um die Fahrkarten zu kontrollieren. Er fuhr dann aber nicht mit. Den größten Teil der Fahrzeit benötigte der Bus, um aus Rijeka hinaus auf die Schnellstraße zu gelangen. Die zurückzulegende Distanz war hingegen nicht groß. Die Schnellstraße führte oberhalb der Kvarner Bucht an den Orten Matuji und Opatija vorbei auf das gewaltige Bergmassiv des Uèka-Gebirges zu, das Istrien quasi vom übrigen Festland "abschottet" und das mittels eines langen Passtunnels unterfahren wird.

Auf der anderen Seite kam man in einer wunderschönen Felsenlandschaft wieder hinaus. Dies ist das markante: Die Berge der Uèka und der angrenzenden Èièaria besitzen Waldhänge bis zu einer gewissen Höhe, die darüber von meist senkrechten Felswänden gekrönt werden. Der Tunnelausgang befand sich in derartiger Höhe, dass die Straße zunächst regelrecht in den Fels gesprengt war, bevor sie sich abwärts neigte. Die Felsen der Uèka dienten übrigens als Kulisse für die deutschen Karl May -Filmproduktionen. Ein gewisser Wiedererkennungswert (vom landschaftlichen Charakter her) war durchaus vorhanden. In Lupoglav hatten wir leider keine Zeit für ein Foto. Schade, denn neben zwei Schwedentriebwagen stand dort ein mit 2062 bespannter Güterzug im besten Licht!
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« Odgovor #22 : Lipanj 01, 2009, 17:32:43 »


Pu 4711 Lupoglav 15.12 > Pula "obala" 16.56

Es gibt ihn also wirklich, den Zug 4711, der von den Betriebslehrern der Bahn im Praxistraining immer wieder gern für eine Fahrt von Adorf nach Bstadt herangezogen wird...

Die "Schwedentriebwagen" 7122 bestreiten auf Istrien abgesehen von zwei saisonalen Schnellzügen im Sommer den Gesamtverkehr. Mit acht Zugpaaren bis Lupoglav und fünf bis Buzet (am Wochenende etwas weniger) ist der Fahrplan gar nicht mal so dünn. Es handelt sich aber nur um einen kroatischen Inselbetrieb. Die einzige grenzüberschreitende Verbindung (nur Mo-Fr) außer den Saisonzügen wollten wir auf der Rückfahrt nutzen.


Kanfanar: Unser Zug während eines Kreuzungsaufenthaltes.

Die Bahnfahrt war nett, aber unspektakulär. Es ging durch meist wildes Hügelland mit niedriger Vegetation, das immer wieder von zahlreichen Steinmäuerchen durchzogen war. Das Gleis führte durch einige Dörfer mit hübschen Feldstein-Häusern mitten hindurch. Entlang der Strecke waren noch sehr viele Bahnhöfe besetzt. In Kanfanar hatten wir etwas Kreuzungsaufenthalt, so dass wir den sonnigen Tag wenigstens für ein Standfoto nutzen konnten. In Pula stiegen wir nicht am Bahnhof aus, sondern an der südlichen Einfahrweiche von der Hafenbahn. Hier gibt es direkt neben einem Ruderclub den inoffiziellen Haltepunkt "obala" (Küste), bis zu dem alle Züge weiter fahren und an dem alle abgehenden Züge vier Minuten vor der Pula-Zeit im Fahrplan beginnen.

Da standen wir auch schon fast vor dem riesigen Palast des Hotels "Riviera". Das war nicht die Art von Häusern, die man sich als Rucksack-Tourist normalerweise so leistet. Doch hatte der Palast seine Glanzzeit längst hinter sich und wir kamen zu einem vernünftigen Preis (ca 45 Euro fürs Zimmer) unter --- im vierten Stock mit Blick über die gesamte Bucht und den Hafen! Die Flure waren breit und mit Läufern ausgelegt, unsere Zimmertür hatte ein Schallschutzpolster und die Treppe wirkte wie eine Freitreppe. Bei näherem Hinsehen merkte man aber, wie heruntergekommen das alles war, wobei ich ausdrücklich "heruntergekommen" nicht mit "schmutzig" gleichsetzen möchte.


Blick vom Festungsügel auf unseren "Hotelpalast",
in dessen vierten Stock wir residierten.

Nach einem Foto vom nächsten Zug am Hp "obala" mit dem örtlichen, aus der Römerzeit übrig gebliebenen Colosseum und Palmen, ging es zu einem Streifzug auf den Festungshügel und durch die Altstadt, der allerdings zunehmend von Gefühlen des Hungers beeinflusst wurde. Wir fanden ein nett aussehendes Restaurant, das zwar eindeutig auf Touris abzielte, das uns dadurch aber mal in die Lage versetzte, das zu essen, was der Deutsche halt als "Kroatische Küche" erwartet (Æevapèiæi...). Das Essen war lecker, etwas nervig war nur das aufdringliche Nachschenken des Kellners und ein Typ, der die Fensterfront, an der wir saßen, mit Werbung für irgendeinen Künstler vollkleistern wollte. Leider waren seine Werbestreifen etwas zu breit, so dass er nur einen hochkant (!) aufgeklebt hat. Na ja, wenn jemand mit geneigtem Kopf vor unserem Fenster gestanden hätte, wären wir immerhin sicher gewesen, dass sich der Betreffende nur das Plakat anschaut...
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« Odgovor #23 : Lipanj 01, 2009, 17:40:33 »



Abendlicher Blick von unserem Balkon.

Hier in Pula trafen wir erstmals in diesem Urlaub in größerem Umfang auf andere Touristen! Dies mag natürlich mit dem bevorstehenden Oster-Wochenende, aber auch mit der "sicheren" Lage Istriens zusammen hängen. Der Abend war so milde, dass wir uns auf den Balkon setzen (bei Wein und Schafskäse natürlich...) und auf die Licher des Hafens in der Dämmerung hinab blicken konnten. Die altertümlichen Hafenkräne führten auch zu dieser späten Stunde noch ihr "Ballett" auf und ein Schwimmkran pflügte kreuz und quer durch das Hafenbecken...

Donnerstag, 17. April 2003: Pula - Nugla - Pula

Am frühen Morgen wachte ich von einem regelmäßigen Klopfen auf, das sehr nah klang und sich dann immer weiter entfernte. Plötzlich war es wieder ganz nah. Dies wiederholte sich einige Male. Na ja, warum sollte es in solch einem alt-ehrwürdigen Kasten nicht ein wenig spuken? Das Frühstück war ganz o.k., wenn auch nicht so aufwendig wie in Karlovac. Der Kaffee wurde aus Blechkannen eingeschenkt; unwillkürlich musste ich an den Früchtetee von vergangenen Klassenreisen denken.

Lars wollte sich heute ein Fahrrad leihen. Da mir der südeuropäische Autoverkehr und die fehlenden Radwege etwas suspekt vorkamen, entschied ich mich derweil für eine Fototour an der Bahn, denn das Wetter war phantastisch. Ich dachte mir, dass im Laufe des Vormittags ja auch der gestern gesehene Güterzug nordwärts fahren müsste und hatte mir schon paar geeignete Fotostellen auf der Karte ausgesucht. Doch ein Blick auf den Bildfahrplan des ©ef ergab, dass der Gz erst 13.30 losfahren solle - lichttechnisch so richtig ungünstig für einen Nordfahrer. Der Fdl meinte - soweit wir uns überhaupt verständigen konnten - dass der Zug wirklich so führe. Was hatten wir bloß gestern gesehen?

Pu 4704 Pula 09.23 > Roè 11.04

Es wurde ein mit bunter Ganzwerbung bemalter 7122 bereitgestellt, der den Schriftzug "SORSELE - Ekokommun för framtiden" trug. Er machte also für die umweltbewusste Kommune Sorsele an der schwedischen Inlandsbahn Werbung. Leider war die Ostseite des VT durch Graffiti verunstaltet. Da ich gern ein Bild haben wollte, auf dem die unbeschmierte Seite zu sehen ist, fuhr ich fast die gesamte Strecke ab. Der Bahnhof Roè liegt bereits hinter Lupoglav auf dem gebirgigeren Teil der Strecke zu Füßen der Winnetou-Felsen (so nenne ich mal diese markanten felsgekrönten Berge). Dort führt die Strecke in westliche Richtung, so dass die saubere Seite des VT in der Sonne lag.

Die Rückfahrt des bunten VT "nahm" ich im Bahnhof, in dem außerdem ein Skl von der dazugehörigen Rotte repariert wurde, wozu man ihn auf Holzböcke gelegt hatte. Nach dem Foto lief ich einen schönen Feldweg westwärts. Dort entdeckte ich noch nette Motive für Züge vor den Felsen, doch die Sonne ging immer mehr rum... Immerhin konnte ich mich richtig gut auf einer Wiese in die Sonne legen. Zu hören war nur mal eine Kirchenglocke und ein Kuckuck - sonst nichts. Außerdem war es eine Wohltat, hier einfach durch das Gelände streifen zu können, ohne Angst vor Minen haben zu müssen. So gelangte ich eigentlich viel zu schnell zu dem einsamen Dorf Nugla, das sich an den Fuß der Winnetou-Berge schmiegt. Mit Ort und Bergen gab es den hochfahrenden VT, dessen Rückfahrt ich nutzen wollte, um ein Stück weiter südwärts zu gelangen.
 

Der Sorsele-VT im Bahnhof Roè.

Pu 4709 Nugla 13.17 > Sveti Petar u ©umi

Dank der Tatsache, dass in Kroatien nicht nur bei Bedarf gehalten wird, konnte ich den einfahrenden VT in Nugla erst noch von der Sonnenseite verarzten, bevor ich nach dessen Stillstand über den BÜ auf den Bahnsteig lief. Für den Güterzug hatte ich mir den Bahnhof Sveti (=Sankt) Petar u ©umi ausgedacht, weil hier wenigstens das Licht sehr seitlich kommen musste und ich auf der Hinfahrt einen guten Fotostandpunkt entdeckt hatte. Etwas nervig war, dass man dort mitten in der Bebauung stand und mal wieder die Sensation für die Einheimischen abgab...
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« Odgovor #24 : Lipanj 01, 2009, 17:49:42 »



Der Güterzug rollt ohne Halt durch den Bahnhof Sveti Petar u ©umi.

Immerhin kam der Güterzug pünktlich und anschließend konnte ich mich etwas in die Einsamkeit verkriechen, wo ich eine gute Fotostelle mit dem nördlichen Einfahrsignal entdeckt hatte. Für das Folgende muss ich erklären, dass es heute im Gegensatz zu gestern stärkere Quellbewölkung gab und der Himmel mittlerweile mit ziemlichem Schmodder vollhing. Tja - glücklicherweise herrscht hier nachmittags relativ reger Verkehr. Der erste VT (der bunte "Sorsele"-Zug, dessen saubere Westseite ich hier gut bekommen hätte) ging mitten bei Wolke, nach dem zweiten VT (der einzige von vorn mit Hp1) kam die Sonne Sekunden später raus, doch der dritte VT ging dann endlich bei Sonne ab. Dass es derselbe wie in Nugla war, störte mich weniger, denn er war wenigstens sauber...

Der Zug war keine drei Minuten weg, da flog scheppernd das Signal auf Fahrt. Nach einer Schrecksekunde errechnete ich aber, dass vor meinem Zug zur Rückfahrt nichts anderes mehr kommen konnte. Zurück am Bahnhof musste ich wieder an das Unwort unserer Tour denken: Persona kontrola. Der örtliche Dorfpolizist besuchte nämlich gerade seinen Freund, den Weichenwärter. Weil beide wahrscheinlich gerade nicht besseres zu tun hatten, erzählte der Weichenwärter dem Polizisten irgendwas wild gestikulierend.

Doch plötzlich wirkte der Polizist sichtlich desinteressiert. Er hatte nämlich etwas Unfassbares entdeckt, eine unglaubliche Sache, die sein sofortiges würdevolles Einschreiten dringlich erforderte: Ein Fremder!!! Ein Fremder mit windzerzaustem hellblonden Haar befand sich auf dem Boden des heiligen Petar von Sowienoch!!! Ihm war wohl bewusst, dass die ganze Last, das Dorf vor diesem Ungemach zu schützen, auf seinen Schultern lag. Tapfer wandte er sich von seinem Freund, dem Weichenwärter, ab und kam langsam auf mich zu.

Fast hätte ich ihn gefragt: "Persona kontrola?" Er sagte nur: "Dokumenta!" Nach eingehender Kontrolle meines Persos (ich wusste gar nicht, was es auf einem Personalausweis alles zu lesen gibt, vielleicht hat er aber auch nur meinen Namen auswendig gelernt...) fragte er irgendwas, was ich nicht verstand. Doch als Profi in Sachen persona kontrola sagte ich nur zwei Wörter: "Pula" und "Hotel". Man sah geradezu die Last von seinen Schultern fallen, denn diese Wörter sagten ihm doch, dass ich binnen kürzester Zeit aus seinem Zuständigkeitsbereich verschwunden wäre. Das Leben war plötzlich wieder lebenswert und die achtungsvollen Blicke vom Weichenwärter und seinem ©ef zeigten, dass sie seine Tätigkeit wohl zu würdigen wussten...


Pu 4713 Sv Petar u ©umi 16.57 > Pula "obala" 17.56

Lars kam etwa eine halbe Stunde später auf unserem Hotel-Balkon an und gemeinsam gingen wir zu unserem "Kroaten", wo ich als kroatisches Abschiedsessen nochmal diese herrlich gegrillten Tintenfisch-Tentakel aß...

Karfreitag, 18. April 2003: Pula - Buzet - Trieste

Nach einem entspannten Frühstück, bei dem mir die Aufwärterin nicht nur Kaffee nachgoss, sondern auch Rührei nachlegte (es musste wohl weg...), ließen wir die großen Rucksäcke an der Rezeption stehen und schlenderten erstmal zum Haltepunkt "obala". Dort fotografierten wir den Sorsele-VT. Nach dessen Abfahrt tauchte plötzlich aus Richtung Innenstadt eine Rangiereinheit auf dem Hafengleis auf, das entlang der Mole führte. Immerhin gelangen uns Aufnahmen, ohne dass jemand davor gefahren wäre...


Pula: Eine Rangiereinheit nähert sich auf dem Hafengleis
dem Haltepunkt "obala" und dem Bahnhof.

Danach schlenderten wir zum Busbahnhof, wobei wir unwillkürlich einen Bogen um eine Polizeistreife machten. Anhand einer Karte entschieden wir uns für eine Busfahrt an den südlichen Stadtrand zur Halbinsel Veruda. Unser Bus fuhr dann allerdings nicht bis direkt auf die Halbinsel, doch landeten wir an einer Haltestelle, von der aus man nur einen kleinen Hügelrücken zu queren brauchte, um zum Meer zu gelangen. Der seeseitige Teil des Hügels gehörte zu einem großen Übernachtungskomplex mit Camping, Bungalows, Sportplätzen, Restaurants u.v.m. Vorm Eingang zum Gelände befand sich allerdings (mitten in der Natur) ein Vulkanisierungswerk, in dem irgendein Ventil extrem laut zischte, so dass man auf dem angrenzenden Campingplatz sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte.
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« Odgovor #25 : Lipanj 01, 2009, 17:58:12 »


Der ganze Ferienkomplex machte einen extrem heruntergekommenen Eindruck. Wir fanden einen Weg, der nett oberhalb des Felsstrandes verlief - allerdings nur innerhalb des Geländes. Plötzlich standen wir vor einem Zaun, der das Schwimmbad des Komplexes eingrenzte. Hier gab es nur den Weg runter auf die Klippen. Weiter ging es dann unterhalb dieses Komplexes zwischen Wasser und Felswand, wobei teils kaum Platz war. Wir kamen uns vor wie James Bond, der von der Seeseite eine Festung im Stil der 70er-Jahre einnehmen will, die sich über den Klippen erstreckt. Irgendwann ging es trockenen Fußes nicht mehr weiter.

Eine Beton-Wendeltreppe führte nach oben. Dort standen wir dann direkt vor den Panoramascheiben des Palast-Ballsaales oder was auch immer das war. Dort drin sah es aus, als ob vor vielen Jahren ein Polterabend stattgefunden hätte und seit dem nie wieder aufgeräumt worden sei. Ein Teil der Decke war heruntergekommen...

Vorbei an der auf einem nett gelegenen Gehöft untergebrachten Jugendherberge und an einem Opti-Segel-Gelände kamen wir auf eine Straße, die ruhig entlang der Seaside um die nächste Halbinsel führte. Nach einer kleinen Siesta auf dem Felsstrand ging es noch das restliche Stück um eine weitere Bucht und Halbinsel herum bis Stoja weiter. Hier befindet sich zwischen zwei Buchten die wohl schönstgelegene Buskehre der Umgebung. Malerisch schaukelten die Boote ringsherum auf den Wellen.

Um 12.25 sollte hier ein Bus in die Stadt zurück fahren, doch nichts rührte sich. Erst um 12.37 tauchte ein noch sehr neuer, aber dennoch gebraucht von den Verkehrsbetrieben Glatttal erworbener Bus auf, der auch sogleich zurück fuhr. Wir hatten zum Glück etwas Reserve eingeplant. Es wäre aber auch zu ärgerlich, wenn wir die letzte Möglichkeit vor Ostern, Istrien "rein" per Zug zu verlassen, verpassen würden. (Karfreitag zählt in Kroatien und Slowenien nicht als Feiertag, sonst wäre die Verbindung auch heute schon nicht möglich gewesen). Tja, zügig ging es voran --- bis zur Innenstadt. Hier gab es eine Umleitung und Staus ohne Ende. Wir sahen den Zug schon abfahren, zumal wir schlecht abschätzen konnten, ob wir vielleicht zu Fuß schneller wären. Der Bus schlich durch uns unbekannte Teile der Innenstadt. Dann tauchte doch noch um ca 13.10 das Colosseum vor uns auf und wir wussten: Nix wie raus hier! Schnell im Hotel das Gepäck eingesammelt und zum Zug gelaufen:

Pu 4706 Pula-"obala" 13.16 > Buzet 15.33

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die auf den ersten Blick unspektakuläre Strecke von Bereisung zu Bereisung interessanter wurde. Jetzt fuhr ich hier zum vierten Mal in 48 Stunden, doch man entdeckte immer wieder neue, interessante Details. Zum Beispiel den Schrankenposten, der an einem Hp Dienst tat und neben seiner örtlichen Schranke auch die Schranke am nächsten Haltepunkt (ca 1 km entfernt) mitbediente - per Muskelkraft über einen Drahtzug. Gefahrraumüberwachung per Kamera gab es für diese fernbediente Vollschranke natürlich nicht...

In der zweiteiligen VT-Garnitur saßen wir zwar im volleren ersten Wagen, hatten aber gut Platz. Es waren Reisende mit Gepäck an Bord, die dann auch tatsächlich diese seltene Möglichkeit nutzten, Istrien per Bahn zu verlassen. Auf der anderen Seite des Ganges spielte ein ca zehnjähriges Mädchen mit einem Kleinkind, das mit seiner Mutter eine Sitzreihe weiter saß. Ihre eigene Mutter war die ganze Zeit über beschäftigt SMS zu schreiben und merkte es nichtmal, dass die Kleine während des viertelstündigen Aufenthaltes in Lupoglav munter über den Bahnhof tobte. Das Mädchen, das einen sehr aufgeweckten Eindruck machte, tat uns leid...


Wenn ein winziger Dorfbahnhof plötzlich zum Grenzbahnhof wird:
Buzet mit dem internationalen Triebwagentreffen.
 
Der hintere Zugteil fuhr nur bis Lupoglav, von wo er nach Pula zurückkehrte. Übrigens war der Güterzug heute wieder weitaus früher als gestern nordwärts gefahren. In Lupoglav sahen wir aber nur die Wagen des Zuges stehen, während die Lok wahrscheinlich die hier abzweigende Bahn in Richtung Ra¹a bediente (keine Ahnung wie weit - die Strecke soll landschaftlich sehr schön sein, hat aber keinen Personen- und nur bedarfsweisen Güterverkehr). Unsere Strecke gelangte hinter Roè und Nugla unterhalb der "Winnetou-Felsen" immer höher. Der beschauliche Grenzbahnhof Buzet liegt mit seinen zwei Gleisen in Hanglage weit oberhalb des Ortes. Hier geht es sehr gemütlich zu - die Ausweise werden im slowenischen Triebwagen kontrolliert. Weder Grenzer noch Stationspersonal sagten etwas dagegen, als wir den slowenischen und den kroatischen Zug nebeneinander fotografieren. Trotz wieder heftig quellender Wolken gelangen uns Sonnenbilder.

Pu 7704 Buzet 15.55 > Divaèa 16.54

Die Kopffront des slowenischen Triebwagens erinnerte an den deutschen 624, doch wirkte seine Inneneinrichtung für so einen Dieseltriebwagen außerordentlich komfortabel: Schwere Einzelsitze, deren Lehnen sich weit zurückklappen lassen. Vorn hinterm Führerstand gab es ein kleines Konferenzabteil, in dem sich natürlich die Eisenbahner eingerichtet hatten. Während der zweite Wagen gut besetzt war, hatten wir den vorderen fast für uns.
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« Odgovor #26 : Lipanj 01, 2009, 18:06:37 »


Die Strecke gelangt ein Stück hinter Buzet in derartig hohe Hanglage, dass die Felskante erreicht ist. An der senkrechten Felswand verläuft die Strecke nun eindrucksvoll weiter, wobei immer wieder Sporne per Einschnitt durchfahren werden. Rechts ging es senkrecht in die Höhe und links ebenso steil in die Tiefe. Nachdem ein Einschnitt das Gleis endgültig von der Felskante hinweg auf eine wilde Hochebene geführt hat, wurde die Grenze zu Slowenien gequert. Nördlich des einsamen slowenischen Grenzbahnhofes Ratikovec (ab hier Mo-Fr 2 Pz-Paare) wechselten wilde offene Landschaft mit Weitblicken und weitere Felsabschnitte ab. An einer Abzweigstelle gelangten wir auf die elektrifizierte Strecke von Koper. Vorher war uns in Podgorje der Istrien-Güterzug entgegen gekommen, der mit dem slowenischen Gegenstück der kroatischen 2062 bespannt war. Der Wagenaustausch in Buzet erfolgt am späten Nachmittag.

In Divaèa wurde der VT per Sägezahnfahrt auf eines der hinteren Gleise verschoben. Während des Aufenthaltes gab es einen dreiteiligen Desiro von Se¾ana nach Ljubljana zu beobachten. Aus Richtung Ljubljana tauchte eine doppelte Desiro-Garnitur auf, deren erster Dreiteiler nach Koper weiter fuhr, während der hintere Zweiteiler nach Villa Opicina ging. Wir wollten jedoch mit "Stil" in die EU einreisen:

IC 244 Divaèa 17.40 > Trieste C 19.10

Der Zug bestand aus einer 362 und folgenden Wagen: B (S®) + AB (J®) + B (J®) + B (MAV) + B (MAV) + WR (MAV) + A (MAV). Es handelt sich zweifelsohne um einen der letzten internationalen Tagesschnellzüge, die in Europa noch fahren. Bei der S® wird er als IC eingestuft, bei der italienischen FS gar nur als E (Express). Der vordere Wagen fährt nur Ljubljana - Venezia, während die Wagen der J® Beograd - Venezia und die der MAV (Stammzug) Budapest - Venezia fahren. In Ljubljana ist immer großer Kurswagentausch mit dem IC 210.

Leider ergab eine Fahrgastzählung, dass die Zeit der großen europäischen Schnellzüge vorüber sein muss: Über die Grenze reisten im J®-Teil 10 (davon viermal 1.Kl.) und im MAV-Teil 27 Leute (davon siebenmal 1.Kl.). Im Speisewagen reisten nur Koch und Kellner und im S®-Wagen hing nur noch ein Mantel.

Von Villa Opicina, das quasi die Oberstadt zu Triest darstellt, hofften wir, irgendeine interessante Strecke durch das Triester Stadtgebiet mit imposanten Ausblicken abwärts zu fahren. Unser Zug nahm jedoch leider eine Strecke durchs Hinterland, die sich ohne Höhepunkte wieder weit von Trieste entfernte und erst kurz vor Monfalcone auf die Küstenstrecke stieß. Hier ging es nun wieder auf Trieste zu, wobei wir nette Ausblicke auf die Adria hatten.

Die Dunkelheit senkte sich schon über die Stadt, als wir uns mit Sack und Pack auf die Suche nach einer Unterkunft machten. Auch für Trieste hatten wir eine Unterkunftsempfehlung bekommen. Unterwegs sahen wir allerdings auch schon einige Hotels. Bei einem nicht ganz so teuer aussehenden Laden fragten wir dann auch mal nach dem Preis. Der Rezeptionist meinte irgendwas von 150 Euronen. Nun, da hatten wir andere Vorstellungen und zogen dankend weiter. Doch im empfohlenen Ein-Sterne-Hotel "Centro", wo wir beim Betreten erstmal von einem riesigen weißen Wuschelhund angeschnuppert wurden, erfuhren wir leider, dass nur noch ein Einzelzimmer frei sei. Wir könnten aber um 20 Uhr (es war 19.30) wiederkommen, da eine Reservierung dann ablaufen würde.

Derweil suchten wir weiter und fanden auch noch das eine oder andere weniger teure Hotel, doch nirgends war mehr etwas zu bekommen. Was wollen die ganzen Leute zu Ostern in Trieste??? Die Hotels hatten merkwürdige Türschlösser, bei denen man einen Knopf drücken musste, der eine Verriegelung löste. Der Hersteller hat wohl gutes Marketing betrieben, die Dinger waren in fast jedem Gebäude zu finden... Um 20.02 Uhr quetschten wir uns wieder an dem weißen Wuschelhund vorbei in die Pension "Centro", wo wir dann tatsächlich zunächst ein Doppelzimmer, später sogar zwei Einzelzimmer bekamen. Wir würden bloß morgen umziehen müssen in ein Einzelzimmer mit Zusatzliege. Das war uns egal, wir waren fix und foxi.

Nach uns tauchten weitere zumeist Jugendliche auf, die Unterkunft suchten. Was hatten wir für ein Glück gehabt! Die Stadt kannten wir nach unserer Hotelsuche ja eigentlich schon. Das Zentrum gefiel uns sehr gut, es gibt da wunderschöne Plätze. Und wir hatten schon ein Restaurant mit Tischen am Canale Grande (jau, den gips auch in Trieste) entdeckt, das wir nun als erstes frequentierten. Es gab italienische Vorspeisen (war nur ne gemischte Schinken-Platte, wir hatten mit Vegetarischerem gerechnet) und natürlich Pizza. Paar Tische weiter saß ein junges deutsches Pärchen im Teenager-Alter, das bestimmt zwanzig Minuten lang von einem Afrikaner beschwatzt wurde irgendwas zu kaufen. Der Junge machte einen zunehmend verzweifelten Eindruck, während sich seine Freundin die Sachen interessiert anschaute. Das ist aber auch ärgerlich, da führt man seine Freundin mal nach Italien zum Abendessen aus und dann sowas. Er tat mir leid...
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